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Digitale UW-Fotografie contra Diafilm
Seit gut drei bis vier Jahren werden digitale Kameras in UW-Gehäuse
eingebaut. Seitdem gipfelt die Euphorie für dieses Medium stellenweise in geradezu absonderlichen Statements. Steht also die Ablösung der klassischen Fotografie mit
Farbnegativ- und Diafilm kurz bevor, oder haben wir es hier mit einer Art digitaler Religion zu tun, die ihre Anhänger blind für vernünftige und rationale
Entscheidungen macht? Herbert Frei führt Sie durch die gepixelte Unterwasserwelt.
An der digitalen Fotografie insgesamt führt kein Weg mehr vorbei, über wie
unter Wasser. Das steht fest. Auch in Tauchmagazinen werden viele Produktfotos aus Zeit- und Kostengründen digital fotografiert und über besondere Schnittstellen
direkt dem Computer zugeführt. Bei diesen Bildern kommt es nicht immer auf die letzte Schärfe und den besten Kontrast an, zumal die Abbildungen nur selten die Größe
einer halben DIN A 4 Seite überschreiten. Für farbintensive Bilddokumentationen wie Reiseberichte, Fotostories, Poster und Titelbilder werden Tauch- und auch
Internetmagazine deshalb auf absehbare Zeit vorwiegend noch auf Diamaterial zurückgreifen. Auch Bildbände und Bestimmungsbücher orientieren sich wegen der
erforderlichen Bildqualität primär an der konventionellen UW-Fotografie. Noch – denn die 5 Millionen Pixel Auflösung der Coolpix 5000 beweist, dass der Abstand
zum „analogen Bild“ stark geschmolzen ist. Anders sieht es aus, wenn Sie ein reiner Urlaubs- oder Gelegenheitsfotograf sind, der seine Bilder in der
Brieftasche herumträgt und mehr oder weniger der taucherischen Erinnerung huldigt. Wenn Ihnen Farbechtheit, extreme Bildschärfe und hoher Kontrast weniger wichtiger
sind, dafür der technische Reiz eines neuen Systems und die Aussicht auf Bildmanipulationen am Computer punkten, dann kann die digitale UW-Fotografie sehr viel Spaß
vermitteln. Die Anschaffung geschieht leider zu einem nicht ganz bürgerlichen Preis, vergleicht man die puren Möglichkeiten digitaler und analoger Einsteigerkameras.
Hobbyfotografen, die beispielsweise mit einer Motormarine MX-10 herumknipsen oder sich fotografisch mit einer preiswerten Spiegelreflexkamera auseinandersetzen, leben
zumindest auf der Seite der Hardware billiger und im Output qualitativ besser. Dafür muss man sich beim digitalen Gerät nie mehr Filme kaufen oder Laborkosten
berappen. Langfristig kann das dann sogar wirtschaftlicher sein – gerade bei der „ausschussintensiven“ UW – Fotografie. So weit die Fakten. Möchte
ein von Bits und Bytes verführter Taucher gar in die digitale Spiegelreflexwelt mit ihren verführerischen Wechselobjektiven einsteigen, kommt es unweigerlich zur
Konfrontation mit Brieftasche, Sparbuch und Aktien. Denn jetzt geht es wirklich ans Eingemachte! Einem Normalverdiener kann man da nur raten: „Finger weg, oder du bist
ruiniert“!!
Digitales Handwerkszeug
Auch in der digitalen Fotowelt unterscheidet man in Spiegelreflexkameras und Sucherkameras. Digitale
Spiegelreflexkameras mit Wechselobjektiven kommen aufgrund ihrer hohen Verkaufspreise (ab € 3000) vorerst nur für Profis und liquide Amateure in Frage. Mit einer
deutlichen Zunahme der Produktionszahlen wird sich dieses Manko in den nächsten Jahren deutlich nach unten verschieben, ohne aber auf absehbare Zeit die preiswerten
SLR`s herkömmlicher Art unterbieten zu können. Die aus der analogen Fotografie stammenden Objektive der Kamerahersteller können normalerweise (mit Einschränkungen
hinsichtlich der Brennweite) an den hauseigenen digitalen Spiegelreflexkameras verwendet werden. Digitale Spiegelreflexkameras sind oftmals die teuren Ableger einer
preiswerten anlog arbeitenden SLR. So stammt die € 4500 teure Finepix S2 Pro von der nur € 500 kostenden Nikon F80 ab. Und die digitale Canon D60 für
€ 3300 basiert konstruktiv auf der EOS 30. Die bekommt man schon für € 650. Ebenso krass sind die finanziellen Unterschiede zwischen der Nikon F5 für
€ 2300,- und dem digitalen Pendant D1x mit über € 5000. Marktbeherrschend sind digitale Sucherkameras. Manche dieser Geräte sind an ihrer
Oberfläche wie eine SLR`s aufgebaut und sollten in einer für die UW-Fotografie sinnvollen Ausstattung ein fest eingebautes Zoom besitzen, das sich mindestens bis auf
0,3 m nah einstellen lässt. Aufsteckbare Weitwinkelkonverter bzw. Fisheyevorsätze sind wünschenswert. Unverzichtbar ist ein externer Blitzanschluss. Im Gegensatz zu
einer herkömmlichen SLR sind bei digitalen Sucherkameras unkonventionelle Lösungen verwirklicht worden. Futuristische Gehäuseformen sowie Objektive, die unabhängig vom
Body in Einzelfällen geschwenkt, gedreht oder sogar abgenommen werden können verdeutlichen den Fortschritt auf diesem Gebiet. Zur Bildkontrolle dienen integrierte
Monitore an der Kamerarückseite, auf denen man das Bild vor und nach dem Auslösen in Ruhe betrachten und es bei Bedarf auch wieder löschen kann, wenn es einem nicht
gefällt. Unter Wasser sind dieser Betrachtungsweise allerdings Grenzen gesetzt, weil Strömung und Wellengang ein solches Ansinnen nicht gerade fördern. Außerdem ist
das Bild eines Farbmonitors bei hellem Umgebungslicht ohne zusätzliche Abschattung nur schwer erkennbar. Oftmals ist dann großes Rätselraten angesagt. Nachteil
digitaler Kameras ist deren nicht unerheblicher Stromverbrauch. Die Farbdisplays, Zoom und AF-Funktionen schlucken teils Saft ohne Ende. Auch bei digitalen
Sucherkameras sind Schnäppchen rar. Ein für die UW-Fotografie geeignetes Gerät muss mit etwa € 1000 bis € 1300 ohne Zubehör veranschlagt werden, bessere
Modelle überschreiten auch locker die € 1500 - Schwelle. Hinzu kommen Systemblitz und je nach Bedarf diverse Konverter, so dass die magische Schwelle von
€ 2000 bis € 2500 ohne Anstrengung übertroffen werden kann. Kalkuliert man zusätzlich ein preiswertes UW-Kameragehäuse von € 1300 und das
Blitzgehäuse von auch noch mal fast € 500 ein, liegt ein digital fotografierender Taucher mit einer Gerätschaft von gut und gerne € 3000 bis Euro 4000 im
Wasser. Und das mit einer Sucherkamera, wohlbemerkt. Ausnahmen sind einfache digitale Sucherkameras, die von den Firmen in hauseigene Plastikgehäuse gesteckt werden
und üblicherweise dicht bis etwa 30 m sind. Speziell auf die UW-Fotografie abgestimmt ist die Sealife-digital im Vertrieb von Seemann-Sub. Mit externem Blitzgerät, 20
mm Weitwinkelkonverter, 128 MB Speicher für 256 Bilder und drei Makrolinsen kann sie Amateurwünsche befriedigen. Der Grundpreis von € 890 ist für Normalverdiener
noch erschwinglich.
Sucher
In digitalen Spiegelreflexkameras sind dieselben Sucher installiert wie in analogen SLR`s. Im Sucher erblickt man das,
was man später auf dem Bild sieht. Anders in digitalen Sucherkameras. Der eigentliche Pentaprismensucher ist parallaxenbehaftet, man sieht ergo im Makrobereich ein
anderes Bild als das Objektiv. Besitzt die digitale Sucherkamera einen elektronischen Sucher, ist das Sucherbild identisch mit dem wirklichen Bild, das vom Objektiv
erfasst wird. Elektronische Sucher sind in Schärfe und Kontrastverhalten nicht mit optischen Suchern von Spiegelreflexkameras vergleichbar. Ihr Bild ist pixelig, eher
flau, flimmrig und nicht immer farbecht. Erst ab einer Pixelanzahl von deutlich über 200 000 wird es zufriedenstellend klar und brillant. Um den Nachteil der
Parallaxe auszugleichen, besitzen digitale Sucherkameras der gehobenen Klasse ein rückwärtiges Display, das als Echtsucher ausgelegt ist. Was dort angezeigt wird,
entspricht dem wirklichen Bild auf dem Chip. Bei Makroaufnahmen ist dieser externe Sucher im Prinzip unverzichtbar. Er zeigt auf Wunsch auch das fotografierte Bild,
das man bei Nichtgefallen wieder löschen kann. Allerdings kann man in 30 m oder 40 m Tiefe ein solches Bild über die Tauchmaske nicht mehr hinreichend sicher
beurteilen. Vermeintlich schlechte oder missglückte Bilder sollte man in aller Ruhe an Land löschen. Im Flachwasserbereich kommt das Dilemma der Kontrastverflachung
beim Betrachten bzw. Anvisieren hinzu, wenn Licht auf den LC-Bildschirm fällt. Dann muss man die Motive mehr ahnen, als dass man sie auf dem Monitor sieht. Schlecht
abzulesen sind dann natürlich auch die Kameradaten. Alles nicht so, wie es eigentlich sein sollte.
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