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Zweischlauchatemregler markieren unmissverständlich den Beginn des Tauchsportzeitalters, einer Zeit, in der ein großer innerer Drang nach Abenteuern unter den Wellen Menschen
bewegte sich in den Tiefen der Seen und Meere umzuschauen. Dafür nahm manche Unzulänglichkeiten der gerade erst in der Entwicklung befindlichen Gerätschaften, vor allem der
wichtigsten Schnittstelle, des Lungenautomaten, in Kauf. Der Atemkomfort der einstufigen Regler war mäßig und lageabhängig, vor allem in geringen Tiefen. Hier war seinerzeit der
Urvater ROYAL MISTRAL ein Meilenstein der Entwicklung. AquaLung nahm die Idee einen Zweischlauchautomaten auf höherem technischen Niveau anzubieten auf und zeigte zur boot 2005
das augenfälligste Produkt dieses Genre dem staunenden Publikum. UnterWasserWelt hatten ihn im Test.
Zugegeben, als die ersten Fotos des neuen MISTRAL auf dem
Bildschirm auftauchten wuchs sofort das unstillbare Verlangen dieses Fossil neuester Bauart selbst einsetzen zu können, nachdem man in Kindheit und Jugend durch die klassischen
Bilder und Filme markiger Froschmänner in ihrer geheimnisvollen Outfit mit dem Tauchen in Berührung kam. Anfang der 80er Jahre, dem Start der eigen Taucherlaufbahn, waren dann
natürlich die Einschlauchregler fast ausnahmslos im Einsatz und nur noch hartgesottene Oldies sichtete man hier und da, vor allem im kalten Süßwasser, mit einem ROYAL MISTRAL.
Marginal sei noch erwähnt, dass einstufige Zweischlauchregler in der damaligen DDR einen wahre Renaissance erlebt hatten, da man sich neue
Hochleistungsregler höchstens im einzigen Tauchshop des Landes in Ostberlin hinter dickem Glas ansehen durfte. Eigenbau war gefragt und in einem Land, in dem eine Vielzahl im
täglichen Leben benötigter Dinge selbst gebastelt wurden, war der Nachbau der simplen wie zuverlässigen Einstufenregler eher eine Fingerübung als eine Herausforderung.
Zwei Ziele verfolgt man wohl mit diesem Modell. Zum einen erfüllt man die Wünsche der Taucher, die am Retrolook gefallen haben, vielleicht immer schon einen
Zweischlauchregler atmen wollten und aus der uniformen Masse der Taucher hervortreten möchten um Individualität nach außen zu tragen, zum anderen kann man Filmer und Fotografen
interessieren, denen die Blasen der Ausatemluft rund um die eigene Maske ein Dorn im Auge sind.
Die Technik
Im Grunde ist der heutige
MISTRAL eine Adaption eines hochwertigen Einschlauchreglers und dessen beider Stufen. In einer normalen ersten Stufe (Titan von AquqLung), balanciert, membrangesteuert und gegen
Umwelteinflüsse geschützt, wird der Flaschendruck auf den Mitteldruck reduziert. Von hier führt ein kurzer Mitteldruckschlauch zur zweiten Stufe, die ebenfalls und innovativ gegen
äußere Einflüsse abgekapselt ist (bei der speziellen Kaltwasserversion ist der Mitteldruckschlauch deutlich länger um an Doppelventilen den Anschluss eine weiteren kompletten
Reglers nicht zu behindern). An der ersten Stufe können drei weitere Mitteldruck- und ein Hochdruckabgang belegt werden. Die zweite Stufe arbeitet nach dem Downstream
– Prinzip. Die Atemluft wird durch einen Faltenschlauch (aus Sicht des Tauchers im Einsatz rechter Schlauch) zum Mundstück geführt, das die beiden Faltenschläuche verbindet.
Die Ausatemluft leitet der linke Schlauch zurück zum Ausatemventil an der zweiten Stufe. Auf diese Weise gibt es im Gesichtsfeld des Tauchers keine störenden Luftblasen. Das
Mundstück hat keine Luftdusche und keine Eingriffe, die den Atemkomfort beeinflussen können. dafür ist es aufwändig gestaltet um bestmöglich abzudichten und einen korrekten Sitz
zwischen den Lippen zu garantieren, unterstützt durch eine kurze Gaumenplatte. Das allseits hervorgehobene Besondere des neuen MISTRAL ist die Tatsache, dass er als erster
Zweischlauchautomat die EN-250 Zulassung erhielt, die fordert, dass der Wert der Gesamtatemarbeit in 50 Metern Tiefe und 50 bar Flaschendruck drei Joule nicht überschreiten darf.
Und der MISTRAL glänzt da mit 1,9 Joule. Jedoch, die Einschlauchvariante des TITAN von AquaLung, dessen erste Stufe den MISTRAL steuert, fordert zum Vergleich nur 0,79 Joule
Atemarbeit ab. In entsprechend genormten Tests hat der MISTRAL auch seine Kaltwassertauglichkeit unter Beweis gestellt und darf dies auch offen Kund tun. Nicht
zu vergessen, der Regler ist in all seinen Komponenten uneingeschränkt nitroxtauglich.
Handling
Wer seiner Ausrüstung nur ein Mindestmaß an
Aufmerksamkeit zu schenken bereit ist – und das ist heute wohl die Mehrzahl der Freizeitsportler, auch beim Tauchen – dessen Freundschaft zum MISTRAL steht auf
wackligen Beinen, denn er fordert Zuwendung ab wie eine junge Liebe. Doch bevor es überhaupt so weit kommt, dass man sich den Regler ans Ventil schraubt, muss man sich die
Frage stellen, ob der Einsatz nur in warmen Gewässern geplant ist (Tauchgang ohne kompletten zweiten Regler) oder ob man auch im Kaltwasser Entspannung findet.
- Kaltwasser
Die ausladende Geometrie der Kombination aus erster und zweiter Stufe benötigt rund um das Flaschenventil viel Raum. Das bedeutet, der kurze
Mitteldruckschlauch zwischen erster und zweiter Stufe kann zur Montage eines zusätzlichen Reglers an einem weiteren Flaschenventil im Weg sein. Dann wählt man die
Kaltwasserversion des MISTRAL mit einem deutlich längeren Mitteldruckschlauch, was aufs erste das Raumproblem am Doppelventil beheben hilft. Aber bei kurzen Abständen der
Ventilabgänge auf gleicher Höhe kann man trotzdem in Montagenot geraten. Also ist zu raten am besten die eigene Pressluftflasche in den Tauchshop mitzunehmen um das vor Ort
auszuprobieren. Klappt es nicht mit der vorhanden Ventiltechnik – die neuen AquaLung Ventile in V-förmiger Anordnung schaffen Abhilfe.
- Warmwasser
Hier
gibt es keine Montageprobleme. Allgemein ist darauf zu achten, dass Jackets an den Flaschen so weit nach unten gesetzt werden müssen, dass genügend Raum zur Montage bleibt.
- Mundstück
Anders als bei Einschlauchreglern ist die Ausrichtung des Mundstücks bereits vor dem Tauchgang vorzunehmen. Man dreht das Mundstück bis sich
Markierungen am linken und rechten Schlauchanschluss in einer Linie decken, was einen möglichst leichten Sitz des Mundstücks garantieren soll. Achtet man nicht darauf, entwickeln
die Faltenschläuche eine gewisse Kraft, mit der das Material versucht in seine Ausgangslage zurückzukehren. Das spürt man natürlich im Mund und müsste das Mundstück fester
zwischen den Lippen fixieren. Möglicherweise wäre eine mechanische Lösung komfortabler, die jederzeit das freie Drehen des Mundstücks um 180° (Notfall Wechselatmung)
zulässt, wahrscheinlich dürfte aber das Gewicht der zusätzlichen Mechanik und die dadurch negative Auswirkung der Kräfte, die auf Mund und Lippen einwirken, der Grund sein, warum
sich die Techniker anders entschieden.
- Regler nach Druckbelastung
Wer den MISTRAL das erste Mal an die Flasche angeschlossen und ein paar Züge Luft aus dem
guten Stück genossen hatte, der ist nach dem Zudrehen des Ventils zunächst ein wenig ratlos, wie denn nun die Luft aus dem Regler abgelassen werden kann um ihn druckentlastet von
der Flasche zu entfernen. Das Instrument der Luftdusche fehlt bekanntlich. Da hilft nur ganz locker die Luft abzuatmen und beim geringsten Widerstand diesen Vorgang zu beenden,
damit die Einatemmembran nicht beschädigt wird. Auch deshalb und wegen der nicht einfach zu bewältigenden Aufgabe einer Wechselatmung sollte am MISTRAL immer ein geeigneter
Oktopus montiert sein, über den das System nach dem Tauchen entlüftet wird.
- Regler beim Tauchgang
Auch hier gibt es bauartbedingte Eigentümlichkeiten. Hast
sich im Mundstück Wasser gesammelt, so legt man den Kopf zur linken Seite um das Ausblasen des Wassers über den Ausatemschlauch zu erleichtern. Hatte man das Mundstück ganz
entnommen und muss es nun ausgeblasen werden, so ist das kritisch, wenn man nur noch wenig Restluft zur Verfügung hat, denn es fehlt die Luftdusche. Das sollte man stets bedenken
und auch dieser Umstand spricht für einen Oktopus am System. Das komplette Ausblasen erfordert einen spürbaren Einsatz um das Ausblasventil ansprechen zu lassen. Das muss man
gegebenenfalls üben, auch mit dem Tauchpartner, der vielleicht einmal in die Lage versetzt wird mittels Wechselatmung aus dem MISTRAL - Mundstück versorgt zu werden. Taucher
mit klassischen Jackets, die gerne über den Faltenschlauch des Inflators fein dosiert tarieren, können mitunter mit dem Ausatemschlauch des MISTRAL in Konflikt kommen, da die
beiden Schläuche beim Tarieren den gleichen Platz beanspruchen. Das Phänomen tritt seltener bei breitschultrigen Tauchern auf, Ladies, die auf Retro stehen, sind davon eher
betroffen.
- Atemkomfort
Auf der einen Seite nüchterne Zahlen, 1,9 Joule von drei zulässigen Joule maximaler Atemarbeit nach EN-250, doch wie fühlt sich das eigentlich an? Nun, geradeheraus, in normaler
schwimmender Tauchlage ist die Atemarbeit nicht nur objektiv höher, man spürt tatsächlich etwas größere Kräfte, die in dieser Position nötig sind die Luft in die Lungen zu
befördern. Das liegt konstruktiv an der Tatsache, dass die zweite Stufe, die für die Dosierung des Drucks beim Atmen zuständig ist – es soll schließlich ein Gleichgewicht
beim Wasserdruck und dem Druck der eingeatmeten Luft herrschen – in Schwimmlage um etwa 25 cm über der Lunge angeordnet ist. Diese Tiefendifferenz macht sich beim
Atemkomfort bemerkbar. Steht der Körper des Tauchers senkrecht im Wasser ist der Atemkomfort durch den gleichen Druck an der zweiten Stufe und der Lunge sehr gut, legt sich der
Taucher auf den Rücken, bedient ihn die zweite Stufe nahezu überschwänglich. So verhält sich der MISTRAL in Schwimm- und Rückenlage genau umgekehrt wie viele andere
Zweischlauchregler, die in Rückenlage spürbar größere Atemarbeit abfordern.
- Nach dem Tauchgang
Anders als bei Einschlauchreglern empfiehlt der Hersteller
zunächst die Spülung des Systems mit angeschlossener Flasche um besonders die Ventile zu spülen und von Schmutzpartikeln zu befreien. Nach der Demontage des Reglers sollten zur
schnelleren belüfteten Trocknung die Schläuche vom Mundstück abgenommen werden. Ein Prxistipp dazu, um zu verhindern, dass bei der Trocknung der Schläuche im Freien Insekten
Gefallen am Aufenthalt im Inneren finden, sollte man kleine Gazestücke, wie sie auch als Reste bei der Anbringung von textilen Fensterfliegengittern anfallen, mit einem Gummiband
vor den offenen Schlauchenden befestigen. Im Einsatz
Kaum ein Moment war nach über 20 Jahren Taucherleben so spannend erwartet worden. Die Prozedur der
Tauchgangvorbereitung hatte schon etwas Besonderes und plötzlich fühlt man sich wie mit einer Zeitmaschine um 50 Jahre zurückversetzt. Das erste, was man feststellt ist die
Tatsache, dass die luftgefüllten Schläuche natürlich auch etwas Auftrieb erzeugen. Da muss man mit etwas Blei gegensteuern. Beim Abtauchen über Kopf dann die Wahrnehmung des
höheren Atemwiderstands. Lageveränderung – Körper aufrichten und die Luft fließt wie gewohnt, leichte Rückenlage und man weiß nicht wohin mit der Luft. Verkehrte Welt.
Alles, was man in den langen Jahren eigener Tauchpraxis zum Normalgefühl unter Wasser stilisierte stellt sich neu dar. Dann die Beobachtung der fehlenden Ausatemluft vor der
Maske. Für mich als Fotograf ein durchaus positiver Effekt, es sammelt sich auch keine Luft mehr in den Lichtschächte der Monitor digitaler Kameras. Dass es an den Ohren entlang
nicht mehr so laut blubbert fällt zunächst nicht so sehr ins Gewicht, erst als ich mich darauf konzentriere und Abfrage, ob auch dieses Gefühl anders ist, kann ich es für mich
bejaen. Wieder in Schwimmlage, Ortswechsel von Motiv zu Motiv, das Gefühl des Atemwiderstands ist für mich gewöhnungsbedürftig und es wird dabei klar, dass es
einige Tauchgänge in Anspruch nehmen wird, sich ohne große Gedanken mit diesem Gerät unter Wasser zu bewegen. Test in der Strömung, selbstverständlich kann am MISTRAL kein
zusätzlicher Druck auf eine Membran wirken, was unter diesen Umständen andere Regler zum Abblasen nötigt. Deshalb wäre man für den Ritt auf einem Hochleistungsscooter mit diesem
Modell auch gut bedient. Bei starkem „Gegenwind“ flattern die Faltenschläuche moderat.
Fazit
Der MISTRAL fordert Zuwendung von seinem Taucher und auch
eine Eingewöhnungsphase. Erste Schritte sollte man nicht gleich unter schwierigen Bedingungen im Freiwasser machen sondern gekachelte Horizonte ansteuern. Auch wenn die Luft nicht
vor dem Gesicht perlen kann, an Models sind zierlichere Ausstattungsvarianten hübscher. Um in der Masse der Tauchgemeinde mit einem modernen Zweischlauchregler die Blicke auf sich
zu ziehen, ist der MISTRAL bestens geeignet. Filmer und Fotografen sehen ihre Vorteile in diesem System. Als Sammelobjekt auf jeden Fall zu schade, auch wenn eine Sonderversion in
eleganter Holzschatulle angeboten wird.
Gefallen hat...
+ Retrodesign
+ keine Blasen vor Augen und Ohren + Kaltwassereigenschaften
... weniger gefallen hat...
- Atemarbeit in normaler Schwimmlage
- Montageengpass für 2. Reglersystem bei nah aneinanderliegenden Flaschenventilen
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