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In wirtschaftlich turbulenten Zeiten kann eine große Messe auch als Stimmungsbarometer gelten. Hersteller, Handel und Konsumenten trafen
sich vom 17. bis 25. Januar 2009 zur 40. Wassersportmesse boot in Düsseldorf. Nach Ansicht der Aussteller war diese boot kein Reinfall aber auch kein ausgesprochenes
Highlight. Vielfach wird erst nach Monaten ein abschließendes Urteil möglich sein, wenn aus qualifizierten Anbahnungen auch Umsatz generiert wurde.
Man
weiß, 9 Tage sind für die Tauchsportbranche in Halle 3 eigentlich zu lang, denn nur die Wochenenden generieren die größten Besucherzahlen, an Werktagen ist es
hinsichtlich der Besucherströme traditionell ruhiger. Selbst der Mittwoch, in der Vergangenheit als „Ärztetag“ benannt, weil die kaufkraftstarke Kundschaft im
weißen Kittel die Praxen geschlossen hielt, ist nicht mehr das, was er einmal war. Dafür gaben Donnerstag und Freitag etwas Gas, was den Tauchsporthändlern die Minen
erhellte. Und wie verstopften Kauflustige am zweiten „Schnäppchen“- Samstag die Gängen. Zur boot 2009 übergab der langjährige Direktor Abdul-Rahman Adib
offiziell den Stab an Goetz-Ulf Jungmichel (41). Adib war Ende November 2008 in den Ruhestand getreten, Jungmichel leitete bereits ab Juli das boot – Team.
Zwei wesentliche Veränderungen in und um Halle 3 gaben in vielen Gesprächen Anlass zur Klage. Bezüglich der Besucherströme war das Hinterland der Halle 4 gänzlich
ausgetrocknet worden. Viele Jahre fand man dort Kanus, trendige Wassersportgeräte, Schiffszubehör, maritime Dekoartikel und Bekleidung für Wind und Wetter, ein
quirliger Treffpunkt, der viele Besucher in die Halle 3 weiterleitete (und umgekehrt). Aktuell waren in der kaum besuchten Halle 4 Motoryachten der mittleren
Preisklasse präsentiert. Von der Friedhofsruhe dort profitierte niemand mehr in der Tauchsporthalle und Aussteller, die sonst in ruhigen Phasen einen Abstecher zum
Einkaufsbummel nach nebenan machten, sparten sich den weiten Weg in Halle 12, die nun das in der Nähe schmerzlich vermisste Sortiment darbot. Das mag auch der Anlass
dafür sein, dass nach den offiziellen Zahlen der Messe vom gesamten Besuchervolumen 5% weniger in Halle 3 anlandeten, heuer 20%, 2008 waren es noch 25%. Bleiben
wir kurz noch bei den Zahlen, die für 2008 nachträglich eine Minuskorrektur erfuhren und aus einem damals genannten Plus von 6000 Besuchern (insgesamt 279.000) im
Messeabschlussbericht 2009 mit nur noch 267.000 zitiert wurden, also einem Minus von 6.000. Dass das Minus der Messebesucher 2009 satte 29.000 ausmacht und nur mehr
238.000 (-11%) den Weg zur größten Wassersportmesse der Welt fanden, liegt zum größeren Teil an den wirtschaftlichen Turbulenzen, jedoch verzeichnen seit Jahren viele
Messestandorte einen kontinuierlichen Rückgang der Besucherzahlen. Dieses überproportionale Minus könnte zur boot 2010 durchaus abgefedert werden und die Kurve wieder
ansteigen. Mittelfristig wird man wohl mit 250.000 Besuchern rechnen wollen, in der Hoffnung dieses Level dann auch zu halten. Gut 20% der Besucher kamen aus dem
Ausland, Schwerpunkt amerikanischer Raum und mittlerer Osten. Eine zweite Veränderung, die verschiedene Aussteller direkt betraf, war die Abschottung des
Aktionsbereich mit Tauchturm und Showbühne, die erstmals mit weißen Stoffwänden umgeben worden war, die innen auch als Projektionsflächen genutzt wurden. Mag sein,
dass die dominante Beschallung aus Richtung Bühne in ihrer Ausbreitung um ein paar Dezibel gedämpft wurde, positiv für alle Gespräche auf Ständen in unmittelbarer
Nähe. Jedoch, die bewusst offen gehaltenen Stände, die in ihrer Wirkung den Freiraum der Aktionsfläche berücksichtigten, hatten plötzlich schmucklose weiße Wände vor
der Nase. Das hätte eleganter gelöst werden können. Nur vereinzelt gab es ein depressives Feedback, was jedoch nicht an der Messe allein festgemacht werden kann.
Rückläufige Absatzzahlen hatten den einen oder anderen Spezialanbieter schon längere Zeit beschäftigt und dieses Minus kann nicht innerhalb weniger Tage egalisiert
werden. Zufrieden bis positiv beurteilten die Vertreter der großen Tauchsport – Labels den Messeverlauf, hier nicht nur am Besucherinteresse festgemacht,
sondern klar am Volumen der Händlerbestellungen gemessen. Unzweifelhaft wird es 2009 im gewissen Umfang eine Bereinigung des Händlernetzes geben, doch auch hier sind
die Wurzeln eher in langjährig hausgemachten Problemen zu finden, denn in der gebetsmühlenartig heruntergezogenen Stimmung zur Wirtschaftslage. Dass gegenwärtig
Investitionen in Immobilien oder teure Autos auf Eis gelegt wurden, bietet dem gesamten Tauchsportmarkt gute Chancen. Wer nicht jeden Cent für ein persönliches
„Großprojekt“ auf die Seite legt, entdeckt die Emotion sich doch wieder einmal etwas zu gönnen. Im Spiegel der Buchungen bei Tauchreiseveranstaltern und
Händlerbestellungen scheint sich diese Theorie auch zu bestätigen. Wie wichtig Emotion beim Kaufverhalten ist, haben die Hersteller mittlerweile scheinbar zur
Chefsache gemacht. Tauchsport im Trauergewand dürfte sich zum Relikt einer langjährigen Händlerhörigkeit wandeln. Vorbei am Kundenwunsch nach frischen Farben in
Anzügen und Jackets im Sporttauchbereich wurde dem Begehren vieler Shopbesitzer nach tristen Kaminkehrerlook entsprochen. Nun werden die Verkäufer nachsitzen müssen,
um ihr Farbvokabular umfassend zu erweitern. Nachdem Beuchat bereits 2008 mit roten Akzenten in einem Jacket Aufmerksamkeit erregte, hat auch Mares zwei neue Modelle mit leuchtend roten Taschen vorgestellt. Bei Wet & Dry hält
Farbe mit den Tiguillo – Jackets Einzug und BARE bekennt sich nun vermehrt zu Anleihen beim Regenbogen, wenn auch eher auf der dunkleren Seite. Edel, mit weißen
Einsätzen und feinem gestickten Ornament, zeigte AquaLung die neuen Ladyjackets. Bei
TUSA, besonders bekannt für schickes und hochwertiges ABC, hing diesmal als Sonderaktion eine pastellgelbe Geräteflosse im Stand, ein Produkt, das auf dem asiatischen
Markt keine besondere Aufmerksamkeit erfahren würde, denn dort sind helle Farben im Equipment immer schon vermarktet worden. Emotion entfachte man bei Scubapro mit der Pressevorstellung des Atemreglers A700, der mit besten Werten glänzt und dessen zweite Stufe aus Metall im Retrolook unzweifelhaft die Aufmerksamkeit an sich zieht. Hochpräzise Bauteile des Reglers lassen sich nach Vortrag von Robert Stoß nur manuell fertigen. Hier verpasste man bei Mares den Highend – Regler Carbon 42 ähnlich spektakulär in Szene zu setzen. Die zweite Stufe aus Carbon ist nicht nur außerordentlich leicht, die wesentlich höhere Wärmeleitfähigkeit des Materials bietet auch unter extremen Bedingungen höchste Funktionsgarantien.
Auf die Leichtigkeit des Tauchens setzte Cressi, angesichts der schwindenden Gepäckfreigrenzen bei Charterflügen. Eine nur 2,9 kg leichte Tauchtasche fasst eine komplette Cressi „Light“ – Ausrüstung und bleibt dabei unter 12 kg Gesamtgewicht. Lässt man die Abendgarderobe zu Hause, die am tropischen Reiseziel ohnehin deplatziert wäre, kann man entspannt und ohne Aufpreis einchecken.
Sehr zum Ärger der gewinnoptimierenden Fluggesellschaften schließen sich alle großen Labels der Entwicklung leichter Reisejackets und anderer gewichtsreduzierter
Ausrüstungsteile an. Perspektive für Urlaubstaucher: Tauchsport war mal Schleppsport. Bei Marlin gab es erstmals das UDI –System zu sehen, eine Kombination aus Tauchcomputer, Navigation (Kompass und Rückführung zum Einstieg), Kommunikation (14 SMS-artige Texte über PC-Schnittstelle installierbar), Tauchpartner – Ortung, SOS-Signal, erweiterbar mit Oberflächenstation.
Uemis aus der Nähe von Zürich zeigte einen Tauchcomputer, SDA (Scuba Diver Assistent), der durch ein neuartiges Display, Bedienung über 3 Schiebeschalter und
Internetanbindung über das PC - Interface und vielen weiteren Details auf sich aufmerksam machte und die Besucher faszinierte.
Mit 40 Jahren ist die boot nicht
einmal halb so alt, wie der letzte noch lebende Pionier des Tauchsports, Hans Hass. Er feierte am 23. Januar in Halle 3, von Journalisten dicht umlagert und begleitet
von seiner Frau Lotte den 90. Geburtstag. Die aktuelle Generation von Tauchsportlern hat ihre eigenen Idole, so sie sich überhaupt noch an Idolen orientiert. Hans Hass
war mit seinen UW-Fotos und Filmen ideeller Vorreiter der Tauchsportentwicklung und legte praktisch den Grundstein für die heute tätige Szene. Die charismatische
Begeisterung, spricht er von seinen lange Jahre zurückliegenden Abenteuern, springt heute noch auf die Zuhörer über, verjüngt ihn wie auf Knopfdruck. Ihn noch einmal
persönlich gesehen zu haben, markierte für die „alten Hasen“ das absolute Highlight der boot 2009, deren Halle 3 er später still und gebeugt, gefolgt von seiner
Frau, durch ein Seitentor verließ.
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