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by Harald Bolten 2.03

Brother Islands - Wracks on the Rocks

Ich hatte zwar schon einige Tauchkreuzfahrten in Ägypten mitgemacht, aber ein legendärer Tauchplatz, den manche Taucher zu den Top Ten der Welt zählen fehlte bislang bei mir im Logbuch: die Brother Islands. Für einige Zeit waren diese beiden Inseln für Taucher off Limits, da die Ägyptische Regierung  die Inseln für den Tauchbetrieb gesperrt hatte. Mittlerweile aber gibt es eine Reihe von Tauchschiffen, die diesen Tauchplatz wieder im Programm haben.


Wir hatten uns für eine zweiwöchige Tour mit der HEAVEN DIAMOND entschieden, die von Marsa Galib aus zu den Brother Islands und dann weiter über Daedalus, Zabargad, Rocky Island, St. John’s und Elphinstone quer durch das Rote Meer zu den besten Tauchplätzen Ägyptens führen sollte.

Nach etwa 5 Stunden Flug und 3 Stunden Busfahrt konnten wir dann im neuen Hafen von Marsa Galib, der sich zum Teil noch im Bau befindet, an Bord der HEAVEN DIAMOND gehen. Der erste Eindruck bestätigte, dass dieses Schiff zu den komfortabelsten Tauchschiffen im Roten Meer gehört. Hier hat man an einem nicht gespart, was auf anderen Schiffen Mangelware ist: Platz. Der Salon und die Sitz- und Liegeflächen auf den beiden Oberdecks sind enorm groß und würden für wesentlich mehr Leute als die maximal 16 Taucher an Bord ausreichen.

Ein weiteres Highlight an Bord ist die Küche, die schon einen legendären Ruf hat. Ein reichhaltiges Frühstück mit Wurst, Käse, frisch gebackenen Brot, Cornflakes, Eiern nach Wahl dient der Stärkung nach dem ersten Tauchgang des Tages am frühen Morgen, gefolgt von einem 3-Gänge Menu am Mittag, Kaffee und Kuchen am Nachmittag und einem 4-Gänge Menue am Abend. Dazu gibt es Getränke nach Wahl, einschließlich Wein und Bier, alles im Preis inbegriffen. Aus diesem Grunde reichten auch meine 42 Tauchgänge in den zwei Wochen nicht aus, um mein Gewicht nur um 1 Gramm zu vermindern.

Ein weiterer Pluspunkt für die HEAVEN DIAMOND ist, dass auch Nitrox kostenlos zur Verfügung steht. Wer noch keine Lizenz für Nitrox-Tauchen hat, der kann diese in wenigen Tagen an Bord erwerben. In Verbindung mit einem Nitrox-Computer ergeben sich auch bei tieferen Tauchgängen bis 40 Metern sagenhafte Nullzeiten, die man gar nicht richtig ausschöpft, da das Atemgas sonst aufgrund der Tiefe zu schnell zuende wäre. Somit ergibt sich eine komfortable Sicherheitsmarge gegen Deko - Unfälle. Auch Atemkalk für Rebreather ist an Bord erhältlich.

Nachdem in der ersten Nacht noch die letzten Taucher angekommen sind, legt das Schiff am nächsten Morgen ab und prescht mit Hilfe von 2000 PS durch die Wellen in Richtung Brother Islands. Unterwegs erfolgt ein Stop am Torombio - Riff, wo ein erster gemütlicher Tauchgang Gelegenheit gibt, die Ausrüstung und Tarierung zu checken. Als Unterwasser-Fotograph habe ich hier gleich die Gelegenheit, schöne Nahaufnahmen von einem relativ seltenen Krokodilsfisch zu machen. Danach geht es weiter hinaus in Rote Meer zu den Brother Islands, die in der Abenddämmerung erreicht werden.

Mit einem unsagbaren lauten Hornsignal und dem Gebrüll “Erste Warnung” werden in der Nacht um 6 Uhr die Taucher unsanft aus dem Schlaf gerissen. Aber jeder weiß, dass in 30 Minuten der erste Tauchgang an den Brother’s auf dem Programm steht. Ein weiteres Wecksignal ist daher nicht nötig. Kurze Zeit später findet das wie immer sehr sorgfältige und detaillierte Briefing durch unseren Tourguide Kalli statt. Danach werden jeweils 4 Taucher mit einem der beiden Schlauchboote am Riff abgesetzt. Die heutigen Tauchgänge finden am Little Brother statt. Dieser kleine karge Felsen entpuppt sich unter Wasser als eine atemberaubende Steilwand mit traumhaft schönem Weichkorallenbewuchs und riesigen Korallenfächern. So eine Farbenvielfalt bei den Weichkorallen habe ich noch nicht gesehen. Von fast weiß über zartgrün, gelb, rosa, orange, rot bis hin zu purpur reicht die Palette. Wirklich ein Top Ten Tauchplatz, auch wenn die Haie sich an diesem Morgen nur in größerer Entfernung im Dunkelblau der Tiefe sehen lassen. Bis zum Abend haben wir den Tauchplatz für uns alleine, da noch kein anderes Tauchschiff hier liegt.

Dass Tauchkreuzfahrten sehr beliebt geworden sind, sieht man am nächsten Tag, als wir zum Big Brother hinüberfahren. An dieser größeren der beiden Inseln mit dem markanten Leuchtturm liegen schon drei Tauchschiffe. Wir machen das Schiff allerdings am anderen Ende der Insel fest, dort wo zwei der spektakulärsten Wracks im Roten Meer zu finden sind: die Numidia und die AAida. Der erste Tauchgang erfolgt direkt von Bord der HEAVEN DIAMOND aus. Das Wrack ist zwar nur hundert Meter entfernt, aber eine starke Gegenströmung erfordert den vollen Einsatz der Flossen und Beinmuskulatur um um einen Riffvorsprung herum zum Wrack zu kommen. Als wir es um die “Ecke” geschafft haben, erscheint vor uns eine beeindruckende Szenerie: schräg an das Riff gelehnt liegt hier das Wrack der Numidia. Das Heck ist trotz der Sichtweite von über 40 Metern nicht zu erkennen, da es im tiefdunklen Wasser auf etwa 80 Metern Tiefe liegt.

Die Numidia war ein britisches Frachtschiff der Reederei Anchor Line. Das 6399 Tonnen große Schiff lief 1901 in Glasgow vom Stapel, hatte eine Länge von 137 Metern und wurde von einer Dreizylinder-Dreifachexpansions-Dampfmaschine angetrieben, die ihr zu einer Geschwindigkeit von 10 Knoten verhalf.
Am 20. Juli 1901 war das Schiff auf seiner zweiten Reise unterwegs von Liverpool auf dem Weg nach Indien mit 7000 Tonnen allgemeiner Fracht, darunter Eisenbahnteilen. An Bord befanden sich 97 Mann Besatzung.
Um 2:10 Uhr wurde der Kapitän durch die Kollision des Schiffes mit der Nordspitze von Brother Island geweckt. Dass das Schiff den einzigen Felsen im Umkreis von über hundert Kilometern traf war auf einen schlafenden Decksoffizier zurückzuführen, dem deswegen für 9 Monate die Lizenz entzogen wurde.
Die Numidia kam trotz mehrerer Versuche nicht vom Riff frei, sodass nach zwei Stunden die Maschinen gestoppt wurden. Meldungen wurden an Suez gesendet und mehrere Schiffe erreichten bald den Unglücksort. Die Besatzung wurde von diesen Schiffen übernommen. Der Kapitän verblieb für weitere 7 Wochen auf der Insel, um die Rettung eines großen Teils der Fracht zu koordinieren.

Glücklicherweise ist die Strömung am Wrack weniger stark und im Strömungsschatten können wir bequem das Wrack und den schönen Weichkorallenbewuchs in Augenschein nehmen. Ein Hineintauchen ins Wrack wäre zwar leicht möglich, aber aufgrund der Gefahr von scharfen Eisenteilen und einer vom Zahn der Zeit und des Rostes geschwächten Struktur sehen wir davon ab. Aufgrund der beschränkten Tauchzeit infolge der Tiefe sollte man die Zeit besser nutzen, um das prächtige Äussere des Wracks zu erkunden. Berühmt bei diesem Wrack ist ein Eisenbahn-Rad, das sich auf dem Deck am Bug befindet und dem Wrack auch den Beinahmen "Eisenbahnwrack" beschert hat.

Nachdem der Flaschendruck sich bedenklich der Reservemarke nähert, machen wir uns an den Rückweg zum Schiff. Mit hoher Geschwindigkeit werden wir am Riff entlanggetrieben. Wir gehen schon lange bevor wir das Tauchschiff erreichen auf eine Tiefe von 5 Metern um genügend Zeit für den Sicherheitsstopp zu haben. Sonst gibt es keine Möglichkeit mehr dazu, denn als wir auch das Schiff zuschießen steuern wir gleich auf die bleibeschwerte Dekoleine zu und ergreifen sie. Aufgrund der starken Strömung spannt sich die Leine trotz der Gewichte fast waagrecht an der Oberfläche und wir hangeln uns direkt zur Leiter. An einen gemütlichen Dekostop beim Schiff ist also nicht zu denken und an einem Freiwasser-Sicherheitsstopp erst recht nicht. Nach 3 Minuten wäre man dann wahrscheinlich schon außer Sichtweite des Schiffes.

Nicht immer sind die Bedingungen so schwierig, aber für eine solche Tour sollte man schon etwas Taucherfahrung haben. Die Divers Heaven Fleet fordert mindestens 50 Tauchgänge als Voraussetzung. In unserer Gruppe reicht die Erfahrung von 160 bis 2500 Tauchgängen, so dass sich unser Tourguide Kalli nicht all zu sehr Sorgen um die Sicherheit der Taucher machen muss.

Der nächste Wracktauchgang ist dagegen viel lockerer. Wir werden über dem Wrack der Aida abgesetzt und können uns in Fallschirmspringermanier bis dicht über dem Wrackvorderteil auf cirka 25 Metern durchfallen lassen. Wie die Numidia steht die Aida aufrecht am Riff. Der Bug fehlt, die rostigen Reste sind am Ufer der Insel zu sehen. Auch hier lässt sich das Heck mit Nitrox nicht erkunden, da es bei 60 Metern zu tief liegt. Die Decksbeplankung ist wie bei der Numidia verschwunden, obwohl das Schiff erst 1957 gesunken ist. Auch hier schmücken schöne Weichkorallen das Wrack, wenn auch nicht so üppig wie bei der Numidia.

Die Aida war als 1428 Tonnen großes Frachtschiff mit einer Länge von 75 Metern im Jahre 1911 in Frankreich gebaut worden. Sie war mit einer Dreizylinder – Dreifachexpansions - Dampfmaschine angetrieben, die eine Geschwindigkeit von 9 Knoten ermöglichte. Ursprünglich war sie von der ägyptischen Behörde für Häfen und Leuchttürme in Auftrag gegeben worden. Sie wurde später jedoch als Truppentransporter von der ägyptischen Marine übernommen.
Am 15. September 1957 war die Aida damit beauftragt, das Militärpersonal auf Big Brother Island nach 2 Monaten Dienst auf dem Felsen abzulösen. An diesem Tag tobte ein heftiger Sturm und die Aida krachte beim Anlegemanöver in die Felsen. Sie begann dann unmittelbar zu sinken, so dass die 77 Mann Besatzung mit Hilfe eines Schleppers geborgen werden mussten.

Fazit

Nach zwei Tagen Brother Islands geht es nun weiter zu den anderen Tauchzielen unserer Reise. Dort erleben wir Riffe mit Steilwänden, Mantas, Seidenhaie, Hammerhaie, märchenhafte Korallengärten und vieles andere mehr. Die Brother Islands waren jedoch für mich das absolute Highlight des Trips und ihr Ruf als einer der besten Tauchplätze weltweit ist durchaus berechtigt.

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