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C: Daniela Brezing / UWW

Herbert Frei exklusiv für UWW 3.02

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Deepcam - die erste digitale UW - Kamera

Mit einem revolutionären Konzept für eine wasserdichte Digitalkamera hat die junge Designerin Daniela Brezing an der „Akademie der Bildenden Künste Stuttgart“ im Rahmen ihrer Diplomarbeit für Aufsehen gesorgt. Bei der Präsentation waren selbst die die ansonsten einer konstruktiven Kritik wenig abholden Professoren voll des Lobes. Herbert Frei beschreibt eine ungewöhnliche Designstudie.

Wie immer man es sehen mag, die konventionelle UW - Fotografie krankt zweifelsohne an überholten gerätetechnischen Vorstellungen. Sofern man nicht mit einer kleinen, leichten Spielzeugkamera vom Typ „One Way“ fotografiert - die aber höchstens für Erinnerungsaufnahmen taugt - bewegt man sich weitgehend im Dunst von monströsen Gerätschaften. Klar, die Nikonos V - soeben vom Markt genommen - ist klein und leicht, ebenso das Motormarine - System von Sea & Sea und auch eine Cullmann - Kamera kann man nicht unbedingt als Bleistück verdammen. Doch alle diese Fliegengewichte sind Sucherkameras, verwehren dem kreativen UW - Fotografen den parallaxefreien Blick aufs Motiv. Dem zufolge fehlen wichtige und interessante tauchfeste Zoomobjektive. Außerdem kann man bei keinem zurzeit käuflichen Kamerasystem unter Wasser das Objektiv wechseln. Die an den vorstehend genannten wasserdichten Sucherkameras tauschbaren Konverter und Nahlinsen sind bei allen praktischen Vorzügen leider keine eigenständigen Optiken mit Blendenmechanismus, sondern Linsenvorsätze mit allen damit verbundenen Nachteilen.

Auch bei den käuflichen Digitalkameras sieht es nicht besser aus.. . eher schlechter. Digitale Spiegelreflexkameras sind monströs groß und hyperschwer, außerdem für Normalverdiener noch nahezu unerschwinglich. Entscheidet man sich für eine digitale Kompakt- oder Sucherkamera beginnen erst die Probleme. Keine Wechselobjektive, häufig keine TTL - Blitzsteuerung, dürftige Konvertertechnik für Tele-, Makro- und Weitwinkelfotografie. Beide Gerätegruppen werden zudem von den meisten UW - Gehäuseherstellern nur zögerlich eingebaut, weil die Modellwechsel zu hektisch und zu abrupt erfolgen.

Zielvorgaben

Das vordringlichste Problem der anspruchsvollen UW - Fotografie sind die voluminösen und schweren Gerätschaften. Mächtiges Metallgehäuse mit massiger Profikamera samt Monsterblitzgerät, ein Alptraum für Fernreisende, die so etwas im Handgepäck mit ins Flugzeug nehmen wollen. Ergo liegt die Zukunft in einer kleinen, leichten und druckfesten UW - Kamera. Obwohl die analoge Fotografie mit Dia- oder Farbnegativfilm unter Wasser noch immer die Nummer Eins ist und auf absehbare Zeit von der digitalen Fotografie aus Qualitätsgründen wohl nicht abgelöst werden kann, scheint es sinnvoll zu sein, sich mit der Konstruktion und dem Design einer digitalen UW - Kamera auseinander zu setzen. Denn eins ist klar: Am digitalen Bild kommt man nicht mehr vorbei. Der Videosektor hat es vorgemacht. Nur noch Puristen, pathologische Qualitätsfanatiker und Geldmenschen ziehen mit einer 16 mm Filmausrüstung durch die Lande. Eine ähnliche Entwicklung wird es bei Fotokameras geben. Einleitende erste Schritte sind bereits gemacht.

Bildqualität ist das A und 0 der anspruchsvollen UW - Fotografie. Deshalb müssen bei der Konzeption und Konstruktion einer bis 50 m Tiefe druckfesten Digitalkamera alle Register einer technischen und zukunftsorientierten Bauweise gezogen werden. Dabei sind Fragen zu stellen und Antworten zu liefern, die sich nicht nur mit den Wünschen der UW - Fotografen decken, sondern weit über das vorhandene Potential der heutigen Technologie hinaus gehen. Die Zukunft der UW - Fotografie ist digital, muss aber in besonderer Weise den gesetzten Ansprüchen hinsichtlich Abbildungsleistung, Handling, Volumen, Gewicht, Flexibilität und Robustheit gerecht werden.

Modultechnik

Die wasserdichte Digitalkamera „deepcam“ besteht aus vier Modulen mit folgenden Eigenschaften und Funktionen:

1. Objektiv mit Aufnahmechip
2. Steuerung mit Datenspeicher
3. Tauchmaske Display
4. Variables Blitzgerät
Vorteil dieser modularen Konzeption ist das freie Agieren bei der Bildgestaltung. Denn das variabel einzusetzende Objektiv kann sowohl an der Tauchmaske als auch am Steuergerät getragen werden. Somit hat der UW - Fotograf im Bedarfsfall beide Hände frei, was bei herkömmlichen Konstruktionen nur bedingt möglich ist. Außerdem können Perspektiven und Blickwinkel realisiert werden, die mit einer starren Gehäusekonzeption nicht möglich sind.

Zu 1: Das Objektivmodul besteht aus den optischen Elementen (Linsen), der Steuerungselektronik, einem Bluetoothchip (kabellose Datenübertragung) und einem Kleinstakku auf Lithium – Ionen - Basis. Wechselobjektive vom langbrennweitigen Telemakro bis zum rundzeichnenden Fisheye sind vorgesehen. Die optischen Daten der kompakten Basisoptik entsprechen einem Kleinbildobjektiv mit einer analogen Zoombrennweite von 17 bis 85 mm inklusive Makroeinstellung bis Maßstab 1 : 1 und einem nutzbaren Bildwinkel von 35° is 110° . Da das Zoom sehr klein und leicht gehalten werden muss, bestehen die Linsen aus Kunststoff, die durch Spannungsanlegung ihre Krümmung verändern und so die Bildschärfe im Bruchteil einer Sekunde ermöglichen. Damit erspart man sich den aufwändigen AF - Motor und dessen Antriebseinheit.

Zu 2: Die Steuerung mit Aufnahme- und Bluetoothchip, Kleinstakku und Speicherchip wird üblicherweise an der Hand wie ein großer Fingerring getragen. Die Handhabung der Tauchinstrumente wird dadurch nicht behindert. Durch die radiale Anordnung der Bedienknöpfe kann die Steuerung sowohl an der rechten als auch an der linken Hand getragen werden. Eine Halterung nimmt das mobile Objektiv auf. Damit die Benutzerfreundlichkeit und Übersichtlichkeit gewahrt. bleibt, ist die Steuereinheit mit nur vier Übertragungen ausgestattet. ON/OFF mit Auslöser, Menümodus, Zoom und Format. Über Menü werden Verschluss- und Synchronzeit, Blende und Belichtungskorrekturen gesteuert, ebenso das Anwählen von Untermenüs mit diversen Funktionen wie lSO, Dateiformat oder Video. Der Weißabgleich erfolgt automatisch, kann aber bei Bedarf auf individuelle Werte programmiert werden. Modus gewährleistet Zeit-, Blenden- und Programmautomatik.

Wenn es gewünscht wird, können Blende und Verschlusszeit auch von Hand eingestellt werden. Dem Profifotografen bieten sich damit mindestens dieselben Möglichkeiten wie beim fotografieren mit einer Spiegelreflexkamera. Gelegenheitsfotografen garantiert die Automatikeinstellung ein spielend einfaches Handling. Makroaufnahmen gestattet „deepcam“ bei Brennweite 85 mm durch eine stufenlose Scharfeinstellung.

Eingriff „Format“ ist ein besonderer. Um vom Quer- auf Hochformat umzustellen, muss nicht mehr die Kamera gedreht werden, sondern man wählt das entsprechende Format in der Menüebene vor. Rechteckig oder quadratisch ist dabei egal. Auch eine Panoramafunktion ist vorgesehen. Mit einer Pixelzahl von 6 Millionen erfüllt die Kamera bereits professionelle Anforderungen.

Zu 3: Neu und ungewohnt ist die spezielle Tauchmaske mit Einblendung der Bilddaten auf dem Glas. Seitlich am Kopf befindet sich eine Laserprojektor (Auflichtprojektion), der das vom Objektiv erfasste Bild innen auf das Maskenglas projiziert. Dazu ist die Glasscheibe mit einer transparenten holografischen Folie (holografisches Display) versehen. Diese Folie lenkt den Lichteinfallswinkel der Projektion direkt ins Auge, weshalb kein Umlenkspiegel nötig ist. Eine ähnliche Technik wird in den Helmen von Kampfjetpiloten angewendet. Ausblasen der Maske, Salzwasserkontakt und Sonneneinstrahlung können der Folie nichts anhaben. Die Technologie ist so gemacht, dass auch Gegenlichtaufnahmen möglich sind. Stand der Technik sind bisher monochromatische Folien, aber es liegen bereits Patente für farbige Alternativen vor.

Vorteil der Maskenprojektion ist, dass man wie gewohnt mit zwei Augen den Blick auf das Umfeld hat, man aber gleichzeitig den Motivausschnitt, den das Objektiv erfasst hat, betrachten und bei Bedarf die Kamera auslösen kann. Somit entfällt der umständliche Vorgang, eine Kamera bzw. ein Kameragehäuse zum Auge führen zu müssen. Aus visuellem Grund besitzt das Glas eine Panoramaform und der Maskenkörper besteht aus einem lichtundurchlässigen Silikon, um den Kontrast des Sucherbildes zu erhöhen. Die Brillanz ist erheblich besser als bei den Monitoren herkömmlicher Digitalkameras, wo man bei einfallendem Sonnenlicht das Bild kaum noch erkennen kann.

Zu 4: Digitale Kameras vom Typ „deepcam“ können auch im Makrobereich mit relativ offenen Blenden bei trotzdem enormer Schärfentiefe betrieben werden. Blende 11 ist als Maximumwert ausreichend. Grund ist der kleine Aufnahmechip, dessen Fläche erheblich unter der des Kleinbildformates liegt. Da die Blendenwerte insgesamt relativ groß sind, genügt auch ein kleines Blitzgerät zum Ausleuchten.

Dieser Flash wird in seiner Normalausführung am Schnorchel befestigt, sitzt aber in einer definierten und stabilen Position. Für kreative Ausleuchtungen wird der Blitzschnorchel entfesselt in der Hand geführt. Insbesondere aber bei Nah- und Makroaufnahmen, wenn das Objektiv an der Steuerungseinheit am Finger getragen wird. Der Ausleuchtwinkel des Blitzgerätes kann vom Fotografen zwischen 60° und 90° variiert werden. Die Auslösung erfolgt drahtlos mittels Biuetooth - Technik.

„deepcam“ kann und wird auch andere Freizeitbereiche wie Snowboarden, lnlinescaten, Surfen und Fallschirmspringen fotografisch positiv befruchten. Alle Sportarten, bei denen man die Hände prinzipiell frei haben muss, können von diesem Konzept profitieren.

Neues Fotozeitalter

„deepcam“
ist eine visionäre Designstudie, die durchaus in einigen Jahren Realität werden könnte. Das Studienobjekt zeigt futuristisch, wohin der Weg in der UW - Fotografie gehen muss, wollen wir nicht eines Tages an den ausufernden Gerätschaften scheitern. Klein, leicht und handlich sind die Vorgaben. Bei der Handgepäckkontrolle am Flughafenschalter wird man diese Vorzüge schätzen lernen.

Zum ersten Mal wurde auch ein brauchbares Konzept entwickelt, das den Wechsel von Objektiven unter Wasser möglich machen könnte. Sicherlich sind noch viele Fragen zu klären. Sie betreffen in erster Linie das Blitzsystem, die Wechselobjektive samt Halterung und die Stromversorgung. Technische Probleme, die ein Team aus findigen Ingenieuren durchaus lösen kann. Ein großes Fragezeichen ist natürlich der Preis. Die vorstehend erwähnte, wasserdicht verpackte Technik wird es leider nicht als Schnäppchen zu kaufen geben.

Dass sich das Potential der UW - Fotografie immer stärker im digitalen Bereich orientieren wird, ist allen Fachleuten klar. Wann der „break - even“ sein wird, darüber mag man sich streiten. Abhängig ist das von der Entwicklungsgeschwindigkeit bei der digitalen Fototechnik. Hindernisse und technologische Schwierigkeiten gibt es immer noch genug, so dass der Diafilm wohl auf Jahre hinaus konkurrenzlos dominieren wird. Einer Tatsache muss allerdings ohne Vorurteile ins Auge gesehen werden: Egal mit welcher Technik ein Bild gemacht wird, entscheidend ist die Bildidee und deren Umsetzung. Diplom-Designerin Daniela Brezing hat jedenfalls einen Anstoß gegeben, wie es in Zukunft mit der UW - Fotografie weiter gehen könnte. Sie selbst fotografiert noch mit einer Motormarine MX-1 0, hofft aber dass sich ihre Designstudie von einem engagierten Kamerahersteller realisieren lassen wird. Spätestens dann will sie von analog auf digital umsteigen.

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