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Heutige Druckkammerzentren, von denen es etwa 100 allein in Deutschland gibt, gleichen nicht mehr den martialischen Einrichtungen der ersten Stunde. Sie sind moderne medizinische
Dienstleistungsunternehmen, wie das von uns besuchte HBO-Zentrum von Dr. Urs Braumandl in Regensburg, die dem Tauchnotfall offen stehen - überwiegend aber andere therapeutische Aufgaben erfüllen. Deren Inneres gleicht eher einem modernen Großraumflugzeug inklusive LCD-Bildschirmen für Videofilmbetrachtung auf allen Plätzen, zur Verkürzung der oft mehrere Stunden in Anspruch nehmenden Behandlungsdauer. Aber innerhalb weniger Minuten sind diese Kammern auch für die Intensivbehandlung schwer verunfallter Taucher herzurichten.
Noch längst nicht alle durch Überdruck zu behandelnde Erkrankungen sind heute aufgelistet. Daran arbeitet man in einer Reihe von HBO-Zentren, die Universitätskliniken angeschlossen
sind, auch heute noch. Etwas ruhiger wurde es dagegen bei den Tieftauch – Versuchen mit Menschen, bei denen geklärt werden sollte, bis zu welchem Überdruck Menschen noch zur Verrichtung
sinnvoller Arbeiten eingesetzt werden können. Dazu wurden in den 90er Jahren in der Druckkammer TITAN der Deutschen Luft- und Raumfahrt - Versuchsanstalt in Köln Versuchspersonen bis auf eine
simulierte Tiefe von 615 Metern gebracht, dem größten Druck, unter dem weltweit bei Experimenten bis heute mit Menschen gearbeitet wurde. Doch die dabei gewonnen Ergebnisse ließen wohl die
Erkenntnis wachsen, dass bei der Erforschung der Meere oder bei Wartungsarbeiten in großen Tiefen der Einsatz von Robotern oder von Tauchgeräten, die den Menschen vor dem hohen Umgebungsdruck
schützen, sinnvoller ist. Nicht nur, dass durch den hohen Druck und die Zusammensetzung der Atemgase (hoher Heliumanteil) die normale Verständigung untereinander mit der eigenen Stimme
unmöglich geworden ist, auch sind Ausfälle im Reizleitungssystem der Nerven feststellbar, Halluzinationen treten auf und die psychische Belastung ist enorm. Mit einem Seitenblick auf die
Möglichkeit der Flüssigkeitsatmung durch mit Sauerstoff angereicherte Medien, so wie es im Film Abyss (unter Anlehnung an Experimente russischer Wissenschaftler mit Mäusen) fiktiv gezeigt
wurde, kann man heute schon sagen, dass das für menschliche Organismen nicht möglich sein wird, da der Kraftaufwand beim Flüssigkeitsaustausch in den Lungen die Atemmuskulatur wesentlich
überfordert. Deshalb setzt die Natur bei den Kiemenatmern auch auf den Durchfluss des Wassers und nicht auf eine „Sackatmung“, wie bei Säugetieren und schließlich auch beim Menschen.
Forschung und Tests im Umfeld von Taucheinsätzen sowie die prinzipielle Möglichkeit auch schwere Tauchunfälle unter Druck operativ zu behandeln sind besondere Möglichkeiten der
Druckkammer – Anlage HYDRA 2000 im Schifffahrtmedizinischen Institut der Bundesmarine in Kiel – Kronshagen. Der bekannte Tauchmediziner Dr. Ulrich van Laak hat in dem Institut
seinen Arbeitsplatz. In erster Linie werden hier ausführliche Tauchtauglichkeitstest für die militärische Eignung vorgenommen. Durch ständig neue Erkenntnisse, die hier gewonnen werden, wird
aber auch der Tauchsport sicherer und physikalisch/chemische Zusammenhänge werden durchschaubar
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