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Nun bin ich auch schön langsam an der Schwelle zum Urgestein der Tauchsportszene zu zählen, ein Fakt, den ich mir so nie erträumt hatte. Die Initialzündung sich für das Tauchen zu
begeistern lieferte die Serie Flipper im ZDF, die ich aber lange Zeit nur mit wabernden Querstreifen auf dem S/W- Bildschirm „genießen“ durfte. Denn parallel zur
Fernsehsendung wurde auf Österreich – dem Rundfunksender Österreich 1 - das Radiowunschkonzert gesendet, das meine Eltern allsonntaglich verzückt verfolgten, die durch den
Wellensalat des Kofferradios in der Küche produzierten Störungen musste ich in Kauf nehmen. Diese Zeit markiert auch eine Art Aufbruchstimmung im Tauchsport, denn wenige Jahre
später konnte man im Sommerkatalog von Neckermann, in der Rubrik Sportartikel, neben Tischtennisplatten auch komplette Tauchausrüstungen (Anbieter Barakuda) ordern. Das in einer
Zeit, in der der Erwerb von Tauchsportgeräten fast so restriktiv gehandhabt wurde, wie der Wunsch eine Schusswaffe zu kaufen, häufig wurde nur der bedient, der einen
Tauchausbildungsnachweis auf den Ladentisch legen konnte. Das ist heute kaum zu glauben, aber wahr. Kaum zu glauben ist auch, dass sich damals eine wahre taucherische
Machogesellschaft gebildet hatte, die, gerade, dass sie ihre private Kampfschwimmer – Ausbildung überlebt hatte, Frauen in ihren Kreisen zu dulden nicht bereit war. In
diesen Jahren kamen kleine Firmen mit großem Namen auf den Markt, die das anboten, was große Firmen mit noch nicht so bekanntem Namen kaum anzubieten hatten.
Obwohl technisch alles viel einfacher war. Gerade die frisch geborene UW – Fotoszene litt unter dem Mangel – an allem. Glücklich der, der sich auf die
Konstruktion von UW – Fotogehäusen für Spiegelreflexkameras zu spezialisieren versuchte, hier gab es wirtschaftlich erfolgreiches Gründungspotential mit Zukunftsperspektiven.
Den Gehäusebauern der ersten Stunde arbeitete auch eine wesentlich langsamer ablaufende Modellpolitik der Kamerahersteller in die Hand, da gab es viele Modelle, die
einige Jahre unverändert angeboten wurden, ein himmlischer Umstand, den man heute nur noch im absolut hochpreisigen Angebot findet. Fotografen unter Wasser brauchen
Licht, das lieferte ihnen lange Zeit ein einfaches Blitzgerät mit einem Blitzbirnchen, das nach jeder Aufnahme durch ein neues ausgetauscht werden musste. Diese Blitzbirnchen gab
es mit klarem Glaskolben und mit einer blauen Lackschicht überzogen. Die klaren Birnchen lieferten Kunstlicht, die blauen ein tageslichtähnliches Licht. Welche Blende an der
Kamera eingestellt werden musste, entschied häufig die Erfahrung des Fotografen. Und – im Verhältnis zur Menge der UW – Fotografen gestern und heute war der Output an
guten UW – Fotos „damals“ deutlich besser als das, was einem die kritiklose Digitalgesellschaft ohne Weiterbildungsanspruch zur Betrachtung durch Dritte zumutet.
Nach wie vor ist die UW – Fotografie in einem anspruchsvollen Segment die Betätigung und Bestätigung von engagierten Individualisten. Hochwertige Kameras in ebensolchen
Gehäusen warten auf ihre Motive. Doch was macht die Lichtquelle, wie steht es um die Blitzgeräte? Zu Beginn der digitalen Fotografie, die auch Einzug in die Unterwasserwelt
nahm, wünschte man sich fast die Birnchenblitze der Großväter zurück, denn die waren preiswert, unkompliziert zu bedienen und bezahlbar. Doch die waren endgültig graue
Vergangenheit. Stattdessen wurde mit digitalen Blitzgeräten herumexperimentiert und probiert und verkauft und nicht verstanden und Halbwissen verbreitet und phantasiert und
dummes Zeug geredet, Hauptsache der Kunde kauft. In diesen nahezu luftleeren Raum stießen nun Serienhersteller, allen voran Sea&Sea oder Ikelite, die Produkte „von der
Stange“ anzubieten hatten, die die einstmals als die absoluten Anbieter von Highend – Blitzgeräten profilierten Hersteller auf die Plätze verwiesen. Nicht nur
durch günstigere Preise, auch durch zumeist zuverlässigere Technik können die Serienhersteller überzeugen. Wenn ein Unternehmen wie Sea&Sea, hinter dem der weltgrößte
Hersteller von Blitzgeräten überhaupt steht, eine Serie in Produktion gibt, so können kleine, innländische Werkstätten von dieser Auflagezahl nur träumen. Addierte man die
produzierten Stückzahlen von 20 Jahren Kleinstserie, käme man nicht einmal in die Nähe der Produktionsmenge nur eines einzigen Großserienprodukts in einem Jahr. Und, geht eine
Großserie in Fertigung, dann sind auch alle Kinderkrankheiten ausgeräumt, die integrierte Technik hat Hand und Fuß und entspricht nicht der Bastelarbeit aus einem
Elektronikbaukasten für Kids, die Kunden innländischer Technologie hier und da untergejubelt wird, denn sie können ja nicht in die vor Blicken geschützte Technikabteilung ihres
Blitzgerätes hineinschauen. Kleinstunternehmen, die UW-Blitzgeräte anbieten, haben heute auch keine emotionalen Reserven mehr, die es erlauben die Entwicklungsarbeit aus der
Kalkulation heraus zu halten. Entwicklung, Produktion, Rohstoffe, Marketing, Marge und Vertrieb müssen ganz klar kalkuliert werden, und da können in Konkurrenz zu den
Weltmarktangeboten nur bestaufgestellte Unternehmen mithalten. Und, die Zeiten sind vorbei, in der bestimmte Nischenprodukte sich als Selbstläufer am Markt glänzend
positionierten. Gefährlich wird es dann, wenn man die Realität ignoriert und auf einen Nimbus reflektiert, der eine bestimmte Marke im Fotoumfeld in „aller Munde“
platzierte. Sparsamkeit im Hinblick auf Zukunftsfähigkeit zahlt sich nicht aus. Eine (einfache) Taucherflosse mit hoher Effizienz und guter Positionierung am Markt
benötigt bis zu US $ 200.000, bis sie in die Produktion gehen kann. Das kann kein Kleinserien – Blitzgerätehersteller leisten. So haben sich die Zeiten geändert.
Also „Licht aus“? Nun, engagierte UW-Fotografen haben augenblicklich gute Karten sich mit qualifizierter Blitztechnik vom Weltmarkt auszurüsten, solange sie keine
„exotischen“ Konfigurationen realisiert wissen wollen. Kleinstserien – Anbieter können unter Umständen dort auftrumpfen, wo in Einzelfällen technische Lösungen
abgefragt werden, die von sehr individueller Natur sind. Doch mit dem Moment der Kaufentscheidung ist das Thema noch nicht vom Tisch. Was passiert, wenn sich ein
Kleinstserienhersteller vom Markt verabschiedet? Wie sieht es mit der Garantieleistung aus, dem Ersatzteilservice?
Manchmal, so sinniere ich, möchte ich das Rad der Zeit 20, 30 Jahre zurückdrehen...
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