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Tourismus:

Wer nach Haiti will, muss sich auf erst einmal auf Überraschungen einstellen. Kulturbeflissene und informationshungrige Urlauber werden mit Erstaunen feststellen, dass es für dieses Land nicht einmal Reiseführer gibt. Was immer man über den Inselstaat herausfinden will, es entzieht sich einem wie ein schleimiger Aal in der bloßen Hand. Tourismus nach herkömmlichem Muster findet de facto nicht statt. Es gibt in Europa auch keine Fluggesellschaft, die Direktflüge anbietet. Üblicherweise fliegt man mit Air-France zuerst nach Paris, steigt dort um und setzt sich in den Flieger nach Guadeloupe. Von dort startet eine kleine Maschine in das unbekannte Land. Gut möglich, dass Sie an Bord die einzigen Europäer sind, vermutlich auch die einzigen Weißen. Die Mitreisenden sind so schwarz wie die Nacht, bunt angezogen und schleppen ein Handgepäck mit, das in jedem zivilisierten Land unter den Begriff Frachtgut fallen würde. Auch die Sprache in dem nur mäßig besetzten Flugzeug scheint ein Konglomerat aus vielen Dialekten und nicht von dieser Welt zu sein. Wer versteht schon Creolisch?

Der Flughafen von Port-au-Prince besitzt eher Provinzniveau. Auf den Toiletten geht das Wasser nur, wenn es will. Und Klopapier scheint es ausschließlich an Weihnachten zu geben. Man hat das abenteuerliche Gefühl, auf einem anderen Planeten gelandet zu sein. Die Fahrt mit dem Geländewagen durch die finsteren Gassen mit den kleinen Feuerstellen vor den Hütten, erinnern an Geschichten aus den Kongo. Das hier ist Afrika, wie es originärer nicht sein könnte.

Sie könnten jetzt als Leser die berechtigte Frage stellen, was soll ich in diesem Land? Ist es dort nicht zu gefährlich, um Urlaub zu machen? Halten wir fest: Gefährlich ist es heutzutage fast überall, jedenfalls in den Großstädten dieser Welt. Kein vernünftiger Mensch wird auf die Idee kommen, nachts durch das Hafenviertel von Port-au-Prince zu schlendern. Die Hauptstadt ist mit Einbruch der Dunkelheit für Weiße tabu. Tagsüber hat man nichts zu befürchten. In den südlichen Philippinen dürfte es weitaus unsicherer sein. Auf Haiti gibt es beispielsweise keine moslemischen Fundamentalisten bzw. politische Fanatikergruppen mit dem Ziel Urlauber zu kidnappen. Kriminelle Handlungen an Ausländern sind selten, beschränken sich dann meistens auf leichte Diebstähle. Die Einwohner selbst haben andere Sorgen, bekriegen sich eher selbst und opponieren gegen die Regierung. Überall kann man feststellen, dass die Menschen freundlich und zuvorkommend sind. Alle hatten sich interessiert nach Deutschland erkundigt und wollten wissen, wie man da am besten hinkommt. Verständlich, denn die Arbeitslosigkeit erreicht schwindelerregende Höhen. Leider ist die Verständigung etwas problematisch. Nur die Oberschicht spricht französisch, englisch beherrschen ausschließlich die wirklich Gebildeten und eventuell noch Teile vom Hotelpersonal. Es reicht aber für einfache Konversationen. Taucher sind auf Haiti so selten wie rote Schwämme im Bodensee. Die einzige Clubanlage mit Tauchbasis ist das Kaliko-Beach-Hotel, ca. 2 Fahrtstunden vom Flughafen entfernt. Das Feriendorf vom Club-Med wurde schon vor Jahren geschlossen, weil das Management die Probleme mit der Infrastruktur und Logistik nicht in den Griff bekam und unfähige Behörden es nicht schafften, bis zur Hotelanlage eine vernünftige Straße zu bauen. An diesen Dingen scheitert der Tourismus eher als an der unsicheren politischen Lage, die Ausländer wenig tangiert. Im Kaliko-Beach-Hotel, geleitet vom Tauchlehrer und seiner Frau, ist der Aufenthalt absolut sicher und selbst für deutsche Verhältnisse sehr sauber. Über das Personal kann man nur Gutes sagen. Freundlich und grundehrlich. In der ganzen Zeit kam nicht das Geringste aus den Zimmern abhanden. Und das trotz erschreckender Armut.

Man darf auf Haiti hinsichtlich des Essens keine Wunderdinge erwarten. Die Qualität entspricht etwa dem Niveau auf der kubanischen Schatzinsel. Man gibt sich Mühe, kann aber wohl nicht so, wie man gern möchte, weil die Zutaten fehlen. Gewöhnungsbedürftig sind die original creolischen Desserts, die nach unseren Vorschlägen in Zukunft gegen fruchtigere und leichtere Nachtische ersetzt werden. Von Montag bis Freitag sitzt man im Kaliko-Beach weitgehend allein im Speisesaal. An diese räumliche Einsamkeit muss man sich erst mal gewöhnen. Einige wenige Kanadier oder Franzosen

(meistens ausgewanderte Haitianer) könnten sich noch einfinden, wenn man Glück hat. Lebhafter wird es am Wochenende, wenn wohlhabende Geschäftsleute aus Port-au-Prince hier mit ihrer Familie ausspannen. Dann schwingt sich die Küchencrew zu Barbecue und recht passablen Büffets auf.

Konträr und unfassbar wie alles in diesem Land ist auch die Hygiene. Nicht einer aus der Tauchgruppe (8 Leute) bekam Magen- oder Darmprobleme, obwohl wir Salat und Obst aßen, in allen Getränken Eiswürfel schwammen und einige aus der Gruppe in Port-au-Prince sogar Eis aßen. Leitungswasser ist allerdings nicht trinkbar, kann aber bedenkenlos zum Zähneputzen verwendet werden. Alles hätten wir von Haiti erwartet, aber das nicht. Manches angeblich zivilisierte Urlaubsland kann sich hier auf diesem Gebiet noch Anregungen holen.

Wer zwischen den Tauchgängen die Clubanlage verlassen will, kann das gefahrlos tun und sich in der Umgebung das Einheimischenleben anschauen. Wer nicht mit Goldschmuck, Geld und teuren Uhren protzt, hat nichts zu befürchten. Und damit wären wir wieder bei den Eingangs erwähnten Bedenken. Haiti selbst kann nur geholfen werden, wenn der Tourismus Normalität wird, denn dann wird auch das dortige Leben normal, weil Wohlstand ins Land kommt. Wer sich einen letzten Rest an Abenteuerblut und unkonventioneller Reiselust bewahrt hat, sollte dieses Land unbedingt besuchen. Von den unglaublichen Motiven für engagierte Fotografen einmal abgesehen.

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