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Nicht allein Naturgewalten, Navigationsfehler oder menschliches Versagen sind die Hintergründe vieler Schiffskatastrophen. Die Mehrzahl der Verluste von Menschleben und Schiffen geht auf das Konto kriegerischer Auseinandersetzungen. Rund um den Globus sind noch längst nicht alle der letzten Ruhestätten von Kriegs- und Handelsschiffen lokalisiert, viele gehören aber mittlerweile zu attraktiven Tauchspots, die touristisch genutzt werden. Die Sidney und die Kormoran werden sicher nie zu jenen Zielen gehören, die einmal kommerziell genutzt werden können. 

Nur noch ein Schatten auf dem Sonar, so stellt sich der ehemalige Stolz der australischen Kriegsmarine, der leichte Zerstörer HMAS Sydney, seinen Wiederentdeckern heute vor. Mit an Bord vermutet man die sterblichen Überreste von 650 Seeleuten, die bei der 800 Kilometer nördlich von Perth erfolgten Seeschlacht  den Tod fanden.
Am frühen Abend des 19. November 1941 sah der deutsche Korvettenkapitän Theodor Detmers (41) das führende Kriegsschiff der australischen Marine auf sein als Handelsschiff getarntes Kriegsschiff unter niederländischer Flagge zukommen. Erst wenige Tage zuvor war die Sidney von einer Operation im Mittelmeer zu einem kurzen Aufenthalt in Australien zurückgekehrt, jetzt nahm sie wieder Kurs auf Seegebiete, die im Zweiten Weltkrieg besonders umkämpft und durch deutsche U-Boote gefährdet war.
Von der Sidney kam die Aufforderung sich mit einem internationalen Code erkennen zu geben um sicher zu stellen, dass die „Kormoran“ unter Detmers Führung zivil und mit friedlicher Absicht unterwegs sei. Dieser Code konnte von der Kormoran nicht gesendet werden, da er den Offizieren des getarnten Kriegsschiffes nicht bekannt war. Detmers entschied abzudrehen und eine Konfrontation zu vermeiden, doch die Sidney nahm die Verfolgung auf. Da der weit stärker motorisierte Zerstörer in kurzer Zeit den Abstand bis auf eine Seemeile reduziert hatte, entschloss Korvettenkapitän Detmers die falsche Flagge einzuholen und die Deutsche Flagge zu setzen, drehte bei und ließ aus den modernen Automatikgeschützen der Kormoran eine Salve zur Sidney feuern, die die Brücke und weite Teile der Aufbauten vernichteten. In Sekunden fanden hier viele Offiziere und Mannschaften bereits den Tod. Eine zweite Salve setzte das zerstörerische Werk der ersten fort. Die erste Geschützantwort der Sidney ging über die Kormoran hinweg, eine zweite brachte einige Treffer ins Ziel. Beide Kriegsschiffe griffen zu Torpedos, von denen die Sidney getroffen wurde, die Kormoran hingegen hatte Glück.
Nach diesem massiven Zusammenstoß auf See fuhr die schwer getroffene Sidney mit langsamer Fahrt weiter und sank etwa 8 Meilen entfernt ohne Überlebende. In 2470 Metern Tiefe wurde nun das Wrack geortet.
Einen Tag zuvor hatte man die Reste der Kormoran gefunden, die manövrierunfähig mit überlebenden 317 Mann Besatzung im Meer trieb. Korvettekapitän Detmers hatte sich entschieden, das Schiff zu evakuieren und mit einer Zeitzünderbombe zu versenken, damit die 300 Seeminen an Bord nicht in feindliche Hände geraten können. Auf deutscher Seite hatten 80 Seeleute den Tod gefunden.
In Regierungskreisen Australiens wird sich wohl die Ansicht durchsetzen, die Position der Sidney als Kriegsgrab zu behandeln und alle kommerziellen Versuche dort zu tauchen zu unterbinden. In wie weit staatliche Untersuchungen vor Ort durchgeführt werden sollten, ist noch ungewiss. Zum einen möchte man für die Familien der Opfer Klarheit schaffen, andererseits ist die enorme Tiefe ein Faktor, der den Einsatz teurer Gerätschaften erfordern würde, wohl zu teuer, um allein humanitäre Gründe zu finanzieren.

Videolink zu einem Bericht im Australischen Fernsehen:   http://media.theage.com.au/?rid=36369 

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