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C: Herbert Frei / UWW

Herbert Frei 3.02

C: Herbert Frei

C: Herbert Frei

Das magische Ei - Hugy-F80 Atlan-Gehäuse

Hugy -Gehäuse sind umstritten wie sonst keine. Die Polarität erstreckt sich von totaler Ablehnung bis zur sklavischen Hingabe. Teils sind die Werke von Rene Hugenschmidt punktuell genial, andererseits lassen sie oft Praxis und Vernunft außer acht. Auch das F80-Gehäuse gehört in die Kategorie der widersprüchlichen und zugleich faszinierenden Creationen. Herbert Frei über dem Ringkampf mit einem Tiger, den man logischerweise nicht gewinnen kann.

Wenn Rene Hugenschmidt ein neues UW - Kameragehäuse vorstellt, kann man sicher sein, dass er wieder Dinge verwirklicht hat, die Auge und Sinne erfreuen, aber auch Logik und Verstand erzürnen. Zu den seit Jahren umstrittenen Features gehört die rechts am Gehäuse befestigte Neopren - Handschlaufe, die angeblich von Hugy patentiert oder als Gebrauchsmuster geschützt worden ist. Das Wahrzeichen aller Hugyfot - Gehäuse. Für eingeschworene Hugy - Fans hat sie die Symbolik der amerikanischen Freiheitsstatue, was bei näherem Hinsehen nicht einmal so abwegig ist. In Verbindung mit der ergonomischen Griffmulde hat man nicht nur das Atlan sicher in der Hand, viel wichtiger noch ist, dass man alle am Rückdeckel angebrachten Eingriffe mit dem Daumen erreichen und bedienen kann.

Die da wären: Hinteres elektronisches Einstellrad, Belichtungsmessung (Spot, lntegral, Matrix), Displaybeleuchtung und das AF - Messfeld. Ausgewiesene Urlaubsfotografen sollten sich mit einem wasserfesten Stift Memories auf die Funktionsweise der einzelnen Eingriffe machen, sonst geht nach einigen Monaten das Rätselraten nach dem Wo, dem Was, dem Wie und dem Warum los. Unserer Testgehäuse war so neutral gehalten, als wäre es ein Ausstellungsstück für das Museum Of Modern -  Art. Das vordere Einstellrad wird mit Zeige- oder Mittelfinger gedreht. Die Übertragung wird optional als Drehhebel angeboten, denn ein Rad kann man an dieser Stelle nur noch mit dem guten Willen drehen. Design, das Freude macht und einen gleichzeitig dem Wahnsinn näher bringt. Untadelig ist der Eingriff auf die Funktionen ON/OFF, Blitzbelichtungskorrektur und allgemeine Belichtungskorrektur. Das ist so gut gelöst, dass man an Hugy die Anfrage richten muss: Warum nicht alles so?

Ei des Kolumbus oder Oval des Schreckens?

Zum F80-Gehäuse selbst entwickeln viele Besitzer eine pathologische Symbiose. Ohne ihren Hugy - Ellipsoid fühlen sie sich nur als halbe Menschen. In ihrer Begeisterung übersehen viele die kleinen Macken, mit denen es sich natürlich leben lässt, die aber im Grunde genommen heute passe sein sollten. So die optische Leckwarnanzeige im Displayfenster, deren Licht bei einem Wassereinbruch so hell strahlt wie ein schwarzes Loch am Rande des Universums. Interessenten sollten zusätzlich auf einem lauten akustischen Leckwarner bestehen.

Wieso, fragt man sich, hat Hugy den Zentrierrand neben der O – Ring - Nut an diesem Gehäuse weggelassen? Fressen die Kosten nun bald das Image auf? Einst war der älteste Gehäusehersteller Pionier bei dieser Gehäusebau - Technik, heute können die Wassertropfen wieder ungehindert ins Innere kullern, wo sie dann hoffentlich von der beflockten Oberfläche aufgesogen werden. Doch das ist ein Nasenwässerle gegen die Blitzbuchsenkonstruktion, bei der das Steckergewinde ins Gehäusemetall geschnitten wurde und gierig auf jede Elektrolyse lauert. Man kann nur jedem F80 - Gehäusebesitzer dringend raten, dieses Gewinde regelmäßig zu fetten und ja keinen verchromten Messingstecker am Synchronkabel zu verwenden. Sonst werden die Gewindegänge abgenagt wie ein Antilopenknochen im Löwenkäfig.

Einst war Hugy auch führend bei den Rückdeckelverschlüssen. Mit einem aufwändigen Exzenter konnten schon in den siebziger Jahren seine Gehäuse elegant verschlossen werden. Vielleicht will das heute niemand mehr bezahlen, aber lmbusschrauben sind im 21. Jahrhundert sicher nicht mehr up to date. Wenn man den zugehörigen lmbusschlüssel vergessen hat, kann man auf einem Tauchboot nicht mal mehr einen Film wechseln oder eine hakelige Einstellung verändern. Schnappverschlüsse bauen zwar größer, sind aber unproblematisch. Zugeben muss man allerdings, dass Hugys Schraubverschlüsse mit Edelstahl - Gewindeinsätzen das F80-Gehäuse unnachahmlich klein und handlich haben werden lassen. Ein Klacks hingegen der selbstgebaute TTL - Synchrostecker für den Blitzschuh. Er baut deutlich niedriger als das Original von Nikon und ist nicht weniger funktionell. Schlitzohr Hugy bezeichnet ihn als SC - 1 17, das Nikonteil hat die Typenbezeichnung SC - 17. Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt.

Zu den großen Rätseln unserer Zeit gehören die Displayeinblicke. Auch das Atlan von Hugy macht hier keine Ausnahme. Der Einblick auf das linke Hauptrad der F80 mit den diversen Belichtungsprogrammen samt lndividualeinstellungen und SO benötigt einen Schamanen zum Erahnen der eingestellten Position. Besser man kontrolliert seine Belichtungsprogramme im Sucher der Kamera. Bei schlechtem Umgebungslicht kommt es auch zu einem Ratespiel auf dem großen Display, das eindeutig zu tief liegt. Solche konstruktiven Ausrutscher (es fehlt eindeutig eine separate Displaybeleuchtung) müssten im Prinzip nicht sein, kommen aber vor, wenn der Ehrgeiz des Herstellers, der erste mit einem bestimmten Gehäuse am Markt zu sein, über die praxisnahe Vernunft siegt. Allerdings liegt die Schuld in diesem Fall nicht allein bei Hugy, denn die Displaybeleuchtung der F80 besitzt nicht einmal die Leuchtkraft eines Glühwürmchens im Urwald.

Für Brillenträger ein Grund für den kollektiven Selbstmord ist der Gehäuse - Hilfssucher. Von Hugy als Supervision bezeichnet, hat das effektive Sucherbild die Größe einer Tollkirsche und lässt sich so gut beurteilen wie Ameiseneier von der Spitze des Ulmer Münsters. Hier hat Hugy noch erhebliche Defizite, die er mit einem neuen, größeren und brillanteren Hilfssucher a la SEACAM oder Sealux nun endlich angehen sollte. Gegen Streulicht (Sonne von hinten) wäre eine ausziehbare Sonnenblende ebenfalls kein schlechter Gag. Möglichen Dauernörglern wäre der Nährboden entzogen und stolze Atlanbesitzer könnten es als stichhaltiges Argument verwenden, dass man bei Hugy noch immer gut aufgehoben ist. Ob der Hersteller sein winziges Mini - Zoomrad unter Wasser schon einmal selbst mit Handschuhen bedient hat? Vermutlich nicht, sonst wäre sein Durchmesser bestimmt größer als die Krone einer Taucheruhr. Trotzdem muss man das Atlan insgesamt positiv beurteilen, denn wer auf „pointshooting“ schwört, also auf das entfesselte Blitzen mit der linken Hand, wähnt sich hier zu recht im siebten Himmel.

Hugy`s Welt

Individualität auch bei den Frontports. Als einer der letzten UW - Gehäusehersteller in Europa hält Rene Hugenschmidt am Acrylglasfenster seiner Frontports fest. Nichts vermag ihn umzustimmen. Kunststoff ist leicht, preiswert und kommt im Brechungsindex dem Wasser näher als Mineralglas. Weisheiten aus den fünfziger und sechziger Jahren, die natürlich auch heute noch gelten, in ihrer Wertigkeit aber keine große Bedeutung mehr haben. Mineralglas ist kratzfester, kann vergütet und entspiegelt werden, behält auch in großen Tiefen seine Kugelform. Aber was soll‘s, Hugy liefert es nicht, weil er nicht will. Seine Fans schlucken es ungerührt.. .das bisschen Plastik.

Von lobenswerter Präzision ist das Vierfach - Bajonett, es dreht sich wie ein warmer Löffel in Butter und ist von einer hervorragenden Verarbeitungsgüte. Trendobjektive wie das empfehlenswerte Nikkor 28-105 mm mit 1:2 Makroeinstellung liefert er gegen alle gut gemeinten Ratschläge mit einem Domeglas plus 4-Dioptrienlinse aus... und es funktioniert sogar recht passabel. Jedenfalls sind die Kunden nicht notorisch unzufrieden. Unser Testgehäuse war mit dieser ungewöhnlichen Kombination versehen, und hat positiv überrascht Es ist allerdings kein Einsteigerobjektiv, weil die Makroeinstellung nicht bei jeder Brennweit erfolgen kann. Das macht dieses Zoom für Gelegenheitsfotografen möglicherweise zu einem Problem. Ein echtes Makroobjektiv kann damit sowieso nicht ersetzt werden. Im Regelfall bekommt der F80-Fotograf von Hugy natürlich alle Portlängen und Domegrößen für die wichtigsten Objektive des Nikon-Systems.

Lebende Legende

Hugy ist von allen Gehäuseherstellern der älteste mit der längsten Erfahrung. Das hat ihm und seinen Kunden allerdings nicht immer geholfen, denn wie eine Insel in der Zeit steht er im Sturm, kämpft gegen Wind und Wellen, manchmal auch gegen die Vernunft. Aber wer wollte ihn noch ändern? Seine Creationen sind wirklich welche, nicht nur Show. Mit eigenen Ansichten, selbst gestrickter Logik und stur wie ein Lattenzaun geht er seit fast 50 Jahren seinen Weg. Andere kamen, andere gingen. Manche waren schlechter, manche besser. Hugy hat sie alle überlebt. Nicht immer zum Wohle seiner selbst und auch nicht immer zur Zufriedenheit seiner Kunden, die er oft nach Belieben gängelt und die sich das in seltener masochistischer Gemeinsamkeit gefallen lässt. Ein Hugygehäuse gibt es schließlich nicht umsonst. Neben Geld muss man auch Nerven lassen. Denn nicht jeder bekommt eines. Wie bei Ferrari. Wenn das Gesicht nicht passt, hilft auch Liquidität nur wenig.

Preis:

Hugyfot Atlan: ca. EURO (ohne Port) ca. 1085 Euro

Nikon F80

Eine Kamera wie die F80 muss ein Erfolg werden, auch wenn sie nicht mehr uneingeschränkt für Einsteiger empfohlen werden kann. Ausstattungsmäßig gehört die F80 zur gehobenen SLR - Mittelklasse, wird vermutlich die seit langem erfolgreiche, aber mittlerweile in die Jahre gekommene Nikon F9OX ablösen. Dieser kann sie aber hinsichtlich der mechanischen Wertigkeit nicht das Wasser reichen. Auch bei Nikon spielt Kunststoff eine immer stärkere Rolle bei der Kostenersparnis. An wichtigen Stellen, wie Bajonett und Filmführung dominiert aber weiterhin Metall.

Vorzüge der F80 sind ihre gute Übersichtlichkeit und einige sehr praktische Features, deren Übertragung in einem UW - Gehäuse wenig Probleme verursacht. So sind alle drehbaren Bedienelemente an der F80 mit einer griffigen Verzahnung versehen, die es leicht macht, die Funktionen nach außen zu übertragen. Ausgesprochen positiv ist die Einrichtung der Blitzbelichtungskorrektur zu bewerten. Mit dieser Funktion geht die gewollte Korrektur des Blitzlichtes (funktioniert auch mit einem Amphibienblitz) direkt auf den Blitz und beeinflusst nicht auch noch auf die Hintergrundbelichtung wie es mit der normalen Plus/Minus-Korrektur vorkommt. Somit sind perfekte Mischlichtaufnahmen selbst für Urlaubsfotografen kein unlösbares Rätsel mehr. Zumal, wenn sie sich mit den diversen Blitzbelichtungsfunktionen (normal, slow, rear) auseinandersetzen und die angebotene Technik konsequent nutzen.

Hinsichtlich der automatischen Scharfeinstellung bietet die F80 Komfort und Spitzentechnologie. Ein im Bildzentrum angebrachter Kreuzsensor wird von zwei vertikal und zwei horizontal angebrachten Zeilensensoren flankiert. Sinnvoll ist es, unter Wasser nur den zentralen Kreuzsensor zu aktivieren. Nicht nur, daß der AF dadurch spürbar flotter unterwegs ist, man kann auf diese Weise auch die Schärfenebene besser kontrollieren und die Schärfe mit dem Auslöser auch differenzierter für die Bildgestaltung speichern. Nahezu konkurrenzlos ist die F80 bei den Belichtungswerten. Hier leistet sie sich kaum einen Ausrutscher, auch die TTL-Blitzbelichtung regelt bemerkenswert exakt. Für UW-Zwecke nur bedingt geeignet ist die Taumelplatte zur Veränderung des AF - Meßfeldes. Versierte Fotografen verwenden diese Funktion bei stationären oder sich langsam bewegenden Objekten, um die Schärfe auf eine bestimmte Stelle im Bild zu legen. Für Schnappschüsse an Land verfügt die F80 über einen eingebauten Kleinblitz, der zum Kameradach herausklappt. Ausgesprochen dürftig ist die Displaybeleuchtung und wenig erbaulich der Stromverbrauch. Das können andere Kameras in dieser Klasse zum Teil besser. lnfrarotfilme können übrigens nicht verwendet werden.

Zielgruppe

Wer glaubt dem Einsteigerstadium entwachsen zu sein und wirklich engagiert fotografieren will, sollte die Nikon F80 in die engere Auswahl mit einbeziehen. Robust, langlebig, zuverlässig und präzise sind Attribute, mit denen man sich fast sorglos auf die Pirsch nach UW - Motiven begeben kann. Mit Sicherheit wird sie über viele Jahre die UW - Fotografie dominieren, wie einst ihre Schwester F9OX. Das üppige Objektivangebot wird das Übrige dazu tun. Die Objektivpalette für F80-Fotografen kann wegen der technisch hohen Kompetenz der Kamera Objektive vom Fisheye bis zum 105 mm Makro umfassen. Auch mit teuren Optiken wie dem 14er, dem 18er oder dem 70-1 70 mm Makro-Zoom liegt man nicht prinzipiell daneben, denn die F80 kann in der richtigen Fotografenhand auch einer Nikon FlOG gefährlich werden.

Preis:

Nikon F80 (Body): ca. 550 Euro
 

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