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Kroatien und dort besonders die Halbinsel Istrien ist ein beliebtes Urlaubsziel von Tauchern, die mit eigenem Equipment zu bezahlbaren
Preisen im Mittelmeer ihrem Sport nachgehen möchten. Nach dem Zerfall Jugoslawiens, der von Kriegen begleitet war, hat sich die Situation mittlerweile nicht nur
normalisiert, sondern verglichen mit der sozialistischen Zeit auch deutlich verbessert. Besonders die Wracks, aber nicht nur diese, locken internationale Tauchgäste
an. UnterWasserWelt besuchte zu einem Kurztripp Ende September Sinisha Nadi an seiner Basis Nadi Scuba in Rovinj.
Nicht um die Ecke jedoch von München aus
auch keine Gewalttour (die neu gebauten Autobahnen in Slowenien und Istrien erleichtern vieles), erreichen wir nach 600 Km durch Österreich und Slowenien unser Ziel in
Kroatien, dessen lang gestreckte Adriaküste ideal für Tauchsportaktivitäten ist - vom entspannten Buchttauchgang von Land aus bis zu anspruchsvollen Tech –
Abstiegen an einem der vielen Wracks. Und es ist kein Geheimnis, dass der Gesamtsituation des Mittelmeers entsprechend, das seit gut 100 Jahren im Sommerhalbjahr
von Touristen übervölkert wird, in Sporttauchtiefen kaum mehr bedeutende Sichtungen von Fisch im Freiwasser zu vermelden sind. Durch den zeitweisen Siedlungsdruck ist
das Mittelmeer überfischt, dem spärlichen Nachwuchs wurde küstennah mit Dynamit der Garaus gemacht. Bilder die sich entlang der europäischen Mittelmeerküsten vielfach
gleichen. Hat ein Zackenbarsch trotz aller Widernisse überlebt, so muss er sich vor den italienischen Besuchern in Acht nehmen, die auch heute noch völlig unbekümmert
eine Harpune auf die letzten Zeugen ehemals reichen Lebens unter Wasser richten. Stichwort Italien, tatsächlich stehen wir in Rovinj unter dem starken Eindruck in
einer italienischen Enklave zu sein. Kroatien und die Halbinsel Istrien, die von der im 3. Jahrhundert gegründeten Stadt Rovinj gekrönt wird, sind traditionelle
Urlaubsgebiete italienischer Touristen. Dieses Flair hat vielfach den Grauschleier der sozialistischen Vergangenheit coloriert. Italienisch ist neben Deutsch die
Sprache der Speisekarten, die Sprache der Mitarbeiter im Dienstleistungsgewerbe und an der Tauchbasis. Viele Kroaten, mit denen man im Laufe seines Urlaubs in Kontakt
kommt, sprechen so viel Deutsch, dass man sich gut verständigen kann. Besonders wichtig ist die Kommunikation an der Tauchbasis und bei „Nadi Scuba“ kommt
man damit gut zurecht. Der Chef, Sinisha Nadi, der 1991 die Basis zusammen mit zwei deutschen Partnern gegründet hat, spricht selbst fließend deutsch. Die Lage von
„Nadi Scuba“ ist ohne Umschweife genial in einer weit geschwungenen Bucht, direkt gegenüber der um einen kleinen Hügel gruppierten Altstadt von Rovinj, die sich
auf einer Halbinsel ins Meer vortastet. Der Glockenturm der Barockkirche „Heilige Euphemia“ überragt majestätisch die Halbinsel und erinnert aus der
Entfernung an den Campanile in Venedig. Um diese Kulisse mag man Sinisha Nadi wohl vielerorts beneiden, denn es ist nicht gerade üblich, dass Kunst und Kultur in
Sichtweite zu einer Tauchbasis zu finden sind.
Nadi Scuba
Jetzt im Herbst ist es ruhig an der Basis. Gemütlich, ohne Hektik spielt sich das Leben
der Tauchgäste ab, die sich in Gruppen organisieren, die mit einem der beiden Boote zu den nahen Tauchplätzen an den vorgelagerten kleinen Inseln oder den Wracks der
Istria, Baron Gautsch oder Coreolanus fahren. Andere bleiben auf dem Gelände der Basis und betauchen von Land aus die Bucht, so wie wir auch. Die Wracks haben wir alle
bereits vorgestellt, so dass wir hier das Rad nicht neu erfinden müssen. Nun, wir lassen uns überraschen, was eine Bucht zu bieten hat, die jährlich doch einiges an
Tauchern zu verkraften hat, viele machen im Verlauf ihrer Ausbildung ihre ersten Flossenschläge quasi vor der Basistüre. Betonierte Flächen lassen das Tauchgerödel
nahe am Steg oder Einstieg unbehelligt von Sand, Staub oder Matsch nach Regenfällen ausbreiten. Eine Rampe um Boote vom Hänger zu Wasser zu lassen ist ein weiterer
Service. Die weitläufige Anlage mit Liegewiese und Parkplätzen bietet auch nichttauchenden Begleitern und Kindern genügend Entfaltungsmöglichkeiten den Tag am Meer zu
genießen. Reichlich Platz findet man für sein nasses Equipment an den Trockenstangen neben dem großzügig dimensionierten Spülbecken. Tische und Bänke, großteils
beschattet, sind ideal für die Theorielektionen oder Logbuchführung. In der Basis sind zwei Räume für die Lagerung von trockenem Equipment vorgesehen, ob man seine
Ausrüstung in der Tauchtasche oder der weit verbreiteten Betonwanne aus dem Baumarkt aufbewahrt, bleibt einem selbst überlassen. Die Regale hierfür sind groß genug.
Zwei Toiletten und Duschen machen das Taucherleben angenehm. Ein weiterer Raum ist mit Verleihequipment eingerichtet, maximal 20 Gäste kann „Nadi Scuba“
komplett ausstatten. Im kleinen Büro werden die ganzen administrativen Vorgänge bearbeitet. Akustisch gut abgeschottet ist der Füllraum, in dem die Bauer –
Kompressoren in der Hochsaison Schwerstarbeit verrichten. An der anderen Seite der Basis, neben dem gut belüfteten Trockenraum für Anzüge und Jackets ist die Nitrox
– Abfüllanlage, die mit einem L&W Mischpaneel ausgestattet ist, über das Pressluft und Sauerstoff (aus 50 l Speicherflaschen) in beliebigen Anteilen
zusammengeführt werden. Es stört nicht, wenn man zum Aufhängen des nassen Equipments eigene Bügel mitbringt, die auch Handschuhe, Füßlinge und Kopfhauben aufnehmen
können. Zwei Boote gehören fest zur Basis. Je nach Größe der Gruppe und der Entfernung zum Tauchplatz wird entschieden, welches Boot zum Einsatz kommt. Sie sind
geräumig und bieten auch Schutz bei schlechten Wetterbedingungen. Das Equipment wird von den Tauchgästen selbst an Bord gebracht. Solange es Wetter und Temperatur
zulassen, zieht man sich erst auf dem Weg oder am Tauchplatz um. Zu Spitzenzeiten bringen zusätzlich weitere 3 Boote die Gäste zu Riffen und Wracks. Mit 100 Tauchern
pro Tag auf den Booten ist die Kapazitätsspitze von „Nadi Scuba“ erreicht. Es bleibt ja noch die Bucht, die wir uns ausführlich ansehen möchten. Eine
internationale Gruppe von Amerikanern, Italienern und Österreichern nutzt mit uns die idealen Bedingungen von Land aus abzutauchen. Eine am betonierten Uferplateau
befestigte Bootsleiter erleichtert den Ein- und Ausstieg. Wir machen es uns bequem und ziehen die Jackets im Wasser an. Griffbereit liegen Flossen, Kameras und Lampen
am Einstieg. Jetzt, in der ruhigen Nachsaison, verzichten wir auf die sonst nötige Taucherboje. Im Sommer kann man sich vorstellen, dass in der Bucht doch einiges an
Bootsverkehr abläuft und da sollte die Boje frühzeitig die Freizeitkapitäne warnen. Der Blick aufs Thermometer im Computer zeigt noch angenehme 23° C
Wassertemperatur, ein nasser oder halbtrockner Anzug genügt also. Sanft fällt der mit grobem Sand bedeckte Grund ab. Wir tauchen links am Steg vorbei und ein dicht mit
braunroten Algen überzogenes Felslabyrinth, das von der hoch stehenden Sonne strahlend und auch ein wenig mystisch beleuchtet wird, lässt die Kameras nicht zur Ruhe
kommen, die für dieses Motiv am besten mit einem Fisheye oder Weitwinkel bestückt sind. In diesem Irrgarten, der im relativen Flachwasser auch Tauchanfängern
zugänglich ist, könnte man einen ganzen Tauchgang verbringen, so vielfältig sind die immer wieder neu formierten Canyons und Spalten. Trotz Sonnenlicht – erst
eine kräftige Lampe, am besten mit starkem Tageslichtbrenner, zeigt, was in den dunklen Spalten, den Löchern und kleinen Überhängen an Leben steckt. Auch die
Farbvielfalt, die besonders von den unterschiedlichsten Schwämmen herrührt, macht das künstliche Licht erst sichtbar. Ohne Lampe döst die Landschaft schon in ein paar
Metern Tiefe nur noch graublau und man meint das einzige Lebewesen weit und breit zu sein. Wir wechseln den Kurs und folgen dem unmerklich an Tiefe
zunehmenden Grund, auf dem vereinzelt Felsen liegen, Unterschlupf für Drachenköpfe, Blennys und Grundeln mit kräftig roten Lippen. Kaum zu glauben, selbst ein Hummer
bewohnt hier ein versunkenes Appartement. Hoffen wir, dass es nicht schon bald einen neuen Mieter sucht… Winziger Fischnachwuchs tummelt sich im Schutz der
vom Tageslicht nur verhalten erreichten Spalten, Bärenkrebse, mit ihrem natürlichen Bewuchs völlig eins mit der Umgebung, rennen hochbeinig über den Sandboden. Sogar
Seesterne, die mit ihren kurzen „Beinchen“ nicht unflott dahinziehen, sind keine Raritäten. Schriftbarsche beobachten mit stechendem Blick ihre Umgebung, ein
Tipp – folgt man ihrem Blick, entdeckt man häufig auch das Objekt ihrer Begierde, was sich durchaus im Nah- und Makrobereich als lohnendes Motiv entpuppen kann.
Jakobsmuscheln (Pilgermuscheln) bestaunen mit ihren winzigen blauen Augen uns Taucher, bis sie sich durch kräftiges Zusammenklappen der Gehäusehälften hüpfend und
torkelnd weg katapultieren. Steckmuscheln, eine einst äußerst selten gewordene Muschelart, wachsen hier in ordentlicher Menge und Größe. Wachsrosen, mit ihren lila
Tentakelspitzen das Pendant gemäßigter Gewässer zu den tropischen Anemonen, hier leider ohne farbenprächtige Anemonenfische, haften am Sandgrund und an Felsen.
Typische Anhäufungen von Muschelschalen und Krebstierreste geben Hinweise auf die Schlupflöcher von Tintenfischen, für ein Rendez Vous waren sie aber nicht zu bewegen.
Allgegenwärtig sind auch die mehr oder weniger stacheligen Seegurken und wir entdecken sogar eine Schule von heranwachsenden Streifenbrassen und natürlich die
bekannten Mönchsfische. Farbenfreudige Meerjunker huschen vor der Maske vorbei während sandfarbene Petermännchen und Grundeln ein gut getarntes Leben auf dem Grund
führen. Immer wieder als leuchtende Tupfer auf den Felsen gerne fotografiert sind die gelben Schwämme, deren Finger abgerundete Formationen bilden. Alles in allem
ist das Tauchgebiet in der Bucht in einem gutem Zustand und das auch angesichts der Nähe einer großen Stadt mit ihrem Hafen.
An alles ist gedacht, man muss sich
für den Tag keine Butterstullen mitbringen. Nur ein paar Meter entfernt, direkt an der Einfahrt zum Basisgelände, ist ein Grillrestaurant, in dem man kostengünstig das
Mittagsloch zwischen zwei Tauchgängen schließen kann oder die Kids sich die üblichen Eisrationen holen, ohne die man sonst nicht über einen heißen Sommerferientag
hinwegkommt.
Rovinj
Die 1700 Jahre alte Stadt, die natürlich früh schon römischen Einflüssen unterworfen war, verheimlicht nicht ihr
italienisches Flair. Rovinj ist auch eine Stadt der Künstler, der Maler, davon zeugen einige Galerien, die man entlang der schmalen Gassen der Altstadt findet. Mit
12.000 Einwohnern zählt Rovinj zu den Kleinstädten, als touristisches Zentrum wurde es schon früh erschlossen. Im 17. und 18. Jahrhundert war die Stadt auch der größte
Hafen in Istrien. Wie üblich im Süden bewegt man sich im Stadtkern und der Altstadt am besten zu Fuß. Autos sind hier nicht erlaubt, in der Altstadt sind viele Gassen
so schmal, dass ein normaler PKW keine Chance hätte. Die eigentliche Altstadt mit der überragenden Kirche „Heilige Euphemia“ ist zu 70% vom Wasser umgeben. Diese
Topografie setzt die natürlichen Grenzen der Ausdehnung und der gegebene Platzmangel ließ die Gassen von vielen mehrstöckigen Häusern säumen. Nur im Sommer, wenn die
Sonne am höchsten steht, haben viele der schattigen Winkel die einzige Chance im Jahr auch einmal helles Licht zu spüren. Ein Abstecher zum Markt, wo man Gemüse,
Obst, Olivenöl, Wein und natürlich auch allen nötigen und überflüssigen Krims Krams kaufen kann, lohnt sich. Von Abermillionen Füßen und Hufen sind die Pflastersteine
rund und glänzend geschliffen. Ein besonderes Erlebnis ist ein nächtlicher Gang durch die Altstadt, wenn sich der Trubel des Tages hinter die Mauern zurückgezogen hat
und man das Ambiente voller Geschichte und Geschichten auf sich wirken lassen kann. Mehr oder weniger ordentlich essen kann man in den üblichen Restaurants, die
sich mit Blick auf den Hafen oder die Halbinsel der Altstadt angesiedelt haben. Diese haben meist das ganze Jahr geöffnet, während andere, etwas vom Touristenstrom
zurückgezogene Gaststätten von Anfang Oktober bis etwa Ostern geschlossen halten. Auf dem Weg zur Kirche „Heilige Euphemia“ entdeckten wir zufällig ein
kulinarisches Kleinod, das Restaurant „Monte“ in der Gasse Montalbano 75. Die ausführliche Probe aufs Exempel, ob der äußere Schein tatsächlich auch das hält,
was er verspricht, gipfelte in einem ununterbrochenen Strom von Komplimenten für den Chefkoch. Doch das stellen wir in unserer neuen Seite Dive & Dine ausführlicher vor. Unter www.monte.hr finden Sie einen kleinen Vorgeschmack.
Hotels unterschiedlicher Kategorien warten auf ihre Gäste, es gibt aber
auch viele Privatzimmer in Pensionen, mit oder ohne Frühstück. Ab € 15,- pro Nacht kann man in einer Pension wohnen. Der Euro wird vielerorts gerne genommen,
meist sind sogar die Rechnungen in Kuna und in Euro ausgewiesen. Bei Einkäufen in kleinen Läden oder Supermärkten haben wir dennoch mit Kuna bezahlt, auch wenn dies
wahrscheinlich gar nicht nötig gewesen wäre. Kreditkarten sind ebenfalls vielfach willkommen. Auf Wunsch kann Sinisha Nadi eine Unterkunft in Rovinj vermitteln,
gerade bei größeren Gruppen spart dies viel Recherchearbeit vor Ort.
Fazit
Wir haben Rovinj als zauberhafte kleine Stadt mit einzigartigem Flair
kennen gelernt. In idealer Lage dazu ist die Tauchbasis von Sinisha Nadi angesiedelt. Das Rundumpaket aus Tauchen und Relaxen macht Spaß. Anfänger, erfahrene Taucher
und Wrackfreaks kommen auf ihre Kosten und lernen ein Stückchen Mittelmeer kennen, das lohnenswert ist besucht zu werden.
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