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C: Herbert Frei

by Herbert Frei 11.02

Tauchen (Fortsetzung)

Niemals zuvor haben wir Tauchguides mit einer solchen Begeisterung für seltsame Geschöpfe, exotische Lebewesen und skurrile Lebensformen getroffen. Spürhunden gleich finden sie im Lavasand getarnte Giftfische, Nacktschnecken in Algen, bizarre Anglerfische in Korallen, Zwergseepferdchen, die berühmten und extrem schwierig zu fotografierenden Mandarinfische, bis zur Unkenntlichkeit getarnte Skorpionfische, seltene Garnelen, farbige Plattwürmer und Oktopusse mit nie gesehenen Farben. Mit einer verblüffenden Selbstverständlichkeit spüren sie die Tiere in ihren Verstecken auf. Jeder Guide trägt zwei Metallstäbe mit sich, ähnlich zweier Schaschlikspieße. Mit diesen Metallstäben holen sie die Lebewesen aus Korallen, Algen, aus dem Sand oder unter Korallen hervor. Sie hantieren damit so geschickt, dass es dabei weder zu Verletzungen noch zu Stressauswirkungen der Probanden kommt. Feinfühlig, vorsichtig und doch sehr effizient arbeiten sie wie Kleintierdompteure. 
Diese Methode des Hinführens an die Objekte, des Zeigens und des Demonstrierens ist wie ein Praxisseminar in Meeresbiologie. Das Prozedere läuft so perfekt ab, dass man als UW - Fotograf leicht und locker zwei Filme pro Tauchgang an alle möglichen Motive verschießen oder auf seiner digitalen Kamera etwa 80-100 Bilder speichern kann. Zeit hat man genug (geringe Tiefe und 10 l-Tank), denn die fotografischen Kostbarkeiten werden mundgerecht serviert. Damit sich UW - Fotografen und Filmer nicht gegenseitig ins Gehege kommen, werden immer zwei Gruppen mit max. 4 Personen gebildet. Das garantiert optimales Arbeiten mit der Kamera. Wer makrosüchtig ist, taucht hier wie im Paradies.

Critters

Woher das Wort genau stammt und was es exakt bedeutet, weiß keiner so recht. Critters könnte die Verballhornung des englischen Wortes creatures = Kreaturen sein. Man nimmt an, dass der legendäre Larry Smith den entliehenen Begriff für kleine Monster oder kleine Ungeheuer als Erster für die bizarren Geschöpfe der Lembeh-Strait verwendet hat. Critters ist seitdem der Oberbegriff für unbekannte, gefährliche und skurril geformte Kleinlebewesen im Meer.
In das nähere und weitere Umfeld der Critters gehören beispielsweise so bekannte Tiere wie der gewöhnliche Drachenkopf oder der profane Rotfeuerfisch, aber auch Exoten wie der Himmelsgucker oder der giftig wie eine Königskobra auf kleinen Krallenfüßen daherkriechende Teufelsfisch. Die Critterarten der Lembeh-Strait haben keine einheitliche Färbung und auch keine einheitliche Körperform. Allein unter den Skorpionfischen haben wir mindestens ein Dutzend farblicher Anpassungen entdeckt. Teilweise unterschiedliche Colorierungen und Formen auf demselben Untergrund, so dass man eventuell von assimilierten Unterarten sprechen kann. Von weiß bis schwarz ist alles vertreten. Algenüberwachsen, mit Asseln bedeckt, von Lavasand umhüllt. Hier in Nord-Sulawesi ist alles ein bisschen anders.
Zu den Aliens von Lembeh gehören die diversen Kraken und Sepien. Schwer aufzuspüren ist die Flamboia, eine Kleinsepia mit der Fähigkeit, ihren Körper in eine flammenartige Masse zu verwandeln, wenn sie sich bedroht fühlt. Dass sie zur Nahrungsaufnahme und zu Abwehrzwecken eine lanzenartige Waffe ausfahren kann, scheint eher normal zu sein. Nur von wenigen Menschen wurde bisher der Mimic-Oktopus gesehen. Seine Verwandlungsfähigkeit ist einmalig unter den Tieren im Meer. Fühlt er sich bedrängt oder verfolgt, kann er die Körperformen anderer Tiere nachahmen. Manchmal schwimmt er wie ein Strahlenfeuerfisch, oder er ahmt eine Seeschlange nach, sieht gelegentlich aus wie eine Muschel oder nimmt die Form einer Seeanamone an. Der Mimic ist harmlos im Gegensatz zum Blauring-Oktopus. Dieser kleine attraktive Krake scheint die Hilflosigkeit selbst zu sein, bis man ihn anfasst. Dann entpuppt er sich als Ausgeburt des Teufels. Sein Biss ist tödlich wie eine Zyankalikapsel. Finger weg, wenn Sie ihm begegnen.
Critters sind nicht nur unheimlich, sie sind auch mit die faszinierendsten Lebewesen im Meer. Über ihr Leben ist oftmals wenig bekannt, Unklarheit herrscht bei Laien oft, wie sich die kleinen Monster auf dem scheinbar öden Lavasandböden in der Lembeh-Straith ernähren. Doch der Lavasand ist nicht tot, er lebt und pulsiert wie eine Urmasse. Kleine schwarze Fische huschen über seine Oberfläche. Wie heißen sie? Wer kennt ihre Art? Kleine gelbe und orangene Krebschen graben sich ein, Schlangenseesterne strecken ihre Arme heraus, Sandaale lassen sich von Putzergarnelen säubern, farbenprächtige Nacktschnecken kriechen über den Sand... hier geht das Leben ab wie die Feuerwehr.
Viele Tauchgebiete in der Nähe von Anlegestellen sehen aus wie an der Müritz unterm Bootssteg. Attraktiv mag das rein äußerlich nicht gerade sein, aber immens spannend und aufregend. Denn in einer weggeworfenen Blechdose kann ein kapitaler Krebs sitzen und in einer nicht sachgerecht entsorgten Colaflasche entdeckt man unter Umständen einen kleinen Kraken oder einen unbekannten Fisch. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass in der Nähe von Anlegestellen, Bootstegen und kleinen Häfen die Artenvielfalt besonders groß ist.
Nur an wenigen Stellen hat es in der Lembeh auch Korallenbewuchs. Aber wenn, dann ist er besonders schön und artenreich. Geisterpfeifenfische, die man anderswo langwierig suchen muss, schwimmen hier wie dressiert vor die Linse. Begibt man sich vom Ausgangshafen Bitung in Richtung Norden teilt sich die Lembeh-Strait in zwei Welten. Die eine Seite der Wasserstrasse ist mit Korallen bewachsen, die andere Seite bietet nur Lavasand. Was man im Sand sieht, fehlt in den Korallen und umgekehrt. Aufgrund dieser morphologischen Unterschiede zählt die Lembeh-Strait zu den artenreichsten Gebieten der Unterwasserwelt. Manche Experten glauben, dass Lembeh wegen seiner geografischen und biologischen Ausnahmestellung auch die einmaligsten Meereslebewesen beherbergt. Wer einmal dort getaucht hat, kann dieser Einschätzung nur eine Feststellung folgen lassen. Es ist so!
Wie diese Einmaligkeit entstanden sein mag, ist Spekulation. Tatsache ist aber, dass der Lavasand eine nicht unerhebliche Rolle dabei spielt. Das lockere Substrat ist wie geschaffen für Räuber, Schutzsuchende und aus der Art fallende Tiere. Auf der grauen Fläche verschmelzen Jäger und Gejagte mit dem Untergrund, wenn sie dessen Farbe angenommen haben. Vielleicht sind ursächlich auch besondere Mineralien für die extremen Farbvarietäten, Formen und Lebensweisen der Lembeh-Bewohner verantwortlich. Die Tarnkleider der Bodenbewohner sind ein Wunder der Natur.          

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