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© UWW

Interview mit Bernd Humberg / mares zum PRESTIGE  32 NTT

UWW: Die Technik der Atemregler wird bei den führenden Herstellern laufend verfeinert. Doch nüchterne Diagramme, die die Atemarbeit darstellen, können das individuelle Gefühl beim Atemvorgang unter Wasser nicht vermitteln. Nah dran am natürlichen Atemgefühl, so hat sich der  neue mares - Regler PRESTIGE in unserem Praxistest gezeigt. Was hat das Entwicklungsteam von mares hier alles gemacht, um das zu erreichen?

mares: Diagramme geben durchaus wertvolle Hinweise auf das zu erwartende Atemverhalten in der Praxis. Man muss diese Werte nur interpretieren und mit persönlichen Erfahrungswerten korrelieren. Erst dann liefern solche "nüchternen" Schaubilder wertvolle Hinweise, die auch bei mares bei der Entwicklung von Reglern sinnvoll umgesetzt werden können. Historisch betrachtet wurde mit der Reglerprüfung gemäß EN 250 und dem objektiv vergleichbaren Mess- und Grenzwert "Atemarbeit" ein Meilenstein festgelegt, der die bis dato völlig unsinnige und inhaltsleere Luftlieferleistung  ablöste.  Jedoch hat auch die Atemarbeit, die als Fläche im Druck-Volumen-Diagramm dargestellt wird so ihre Tücken. Denn geringe Atemarbeit - kleine Fläche - heißt nicht gleichzeitig auch angenehmes, physiologisch natürliches Atemverhalten. Es sind vor allem die sogenannten positiven Druckspitzen in der Einatemphase, die als äußerst störend empfunden werden können. Diese zeigen sich häufig bei Reglern mit Venturi-Effekt in der 2. Stufe. Was hier als "Schieben" der Luft bezeichnet wird, kann sich in der Praxis dann auch zum so gennanten free-flow entwickeln. Grundsätzlich arbeiten unsere Regler in der 2. Stufe nach dem VAD-Prinzip, welches kein "Alles-Oder-Nichts-Prinzip" wie Venturi ist. Bei diesem patentierten Vortex Assisted Design (VAD) entsteht durch die Umleitung der Luft über das Bypass-Röhrchen ein bedarfsgesteuerter Wirbel, der sich umso schneller dreht, desto kräftiger geatmet wird. Wie in jedem Wirbel herrscht im Inneren ein Unterdruck, der sich gleichfalls mit der Umdrehungsgeschwindigkeit der Luft im Wirbel verändert. Wird kräftig geatmet, ist der Unterdruck stärker. Wird nur sachte geatmet, dann ist der Unterdruck geringer ausgeprägt. Der Unterdruck ist die entscheidende Einflussgröße auf die Membrane, die je nach Bedarf schwächer oder stärker angesaugt wird und damit entsprechend mehr oder weniger auf den Kipphebel und das anschließende Ventil einwirkt. Kurz gesagt: Der Benutzer steuert direkt durch seine Atmung das Ansprechverhalten der 2. Stufe, so dass mares Regler grundsätzlich ohne Verstellmöglichkeiten auskommen, die bei Venturi-Reglern zur individuellen Einstellung aber auch zur Vermeidung des free-flow ab einer bestimmten Einsatztiefe notwendig werden können. VAD ist, wenn Sie so wollen, das Automatikgetriebe für Atemregler. Aber auch das VAD kann, wie wir am Beispiel "Prestige" sehen, noch einem erstaunlichem Feintuning unterzogen werden..

UWW: Dann ist der seitliche Knopf am Prestige 32 NTT also keine Venturiverstellung?

mares : Richtig! Es handelt sich hierbei lediglich um eine flexible Kunststoffzunge, die bei Bedarf unter den Kipphebel gedreht werden kann. Hierbei haben wir u.a. auf  Forderungen des amerikanischen Marktes reagiert, der eine derartige Arretierung beim Einsatz als redundantes System wünscht. Und nur als Dive- Predive-Schalter macht dieses System Sinn, da die Atmung im arretierten Zustand im Flachwasser zwar noch möglich, aber grundsätzlich extrem erschwert ist.

UWW: Spontanen, größeren Luftbedarf - etwa bei Strömung oder UW-Arbeiten - beantwortet der PRESTIGE unaufgeregt, ohne das Gefühl entstehen zu lassen, dass der Regler sich anstrengen muss. Wie hat mares das geschafft?

mares: Das haben  wir dem verbesserten VAD zu verdanken. Der eingangs erwähnte Luftstrom, der über das Bypass-Röhrchen im Mundstückstutzen ankommt, wird im Prestige durch ein Deflektorblättchen in Richtung Mund abgelenkt. Soweit ist das noch nichts Neues, denn Deflektorblättchen hatten wir auch in der Vergangenheit bei verschiedenen Modellen zur Optimierung des VAD. Das neue Deflektorblättchen des Prestige ist durch eine u-förmige Ausbuchtung gekennzeichnet. Diese Blättchenform steht am Ende einer Versuchsreihe unserer R&D Abteilung (Forschung & Entwicklung), bei der mehr als 100 verschiedene Konstruktionen gestestet worden sind. Es klingt schon irgendwie kurios. Aber so ein kleines Blättchen hat ausschlaggebende Wirkung und unsere Ingenieure zum Tüfteln animiert. Entwicklungschef Gianni Garofalo hat das Thema Deflektorblättchen zur Chefsache gemacht, als er erkannte was man aus diesem Bauteil herausholen kann. Das Ergebnis ist eine kleine physikalische Meisterleistung: Neben dem Hauptluftstrom, der den Wirbel erzeugt, entstehen durch die Blättchenform zwei weitere Luftströme, die den Wirbel assistieren und schlussendlich die Atemcharakteristik verbessern. Entscheidend ist dabei vor allem ein Luftstrom, dessen Kraft dem Sog des Wirbels diametral entgegen wirkt - und zwar nur so stark, dass die gewünschte Sogwirkung etwas gemildert wird. Man könnte es auch als Kompensierung des VAD bezeichnen, wobei dieser Ausdruck bereits in anderen Zusammenhängen verwendet wird. Im Endeffekt wird die Atmung dadurch auch bei hoher Beanspruchung unglaublich soft und natürlich. Kein Schieben und Drücken, die Luft kommt so wie man sich es wünscht. Das Kind hat übrigens mit Dynamic Fluid Deflector einen eigenen Namen erhalten - patentiert natürlich.
  
UWW: Warum hat man sich bei mares so stark mit der Nano Thermoconductive Technologie auseinandergesetzt, die der 2. Stufe aus dem neu entwickelten Kunststoff die positiven Eigenschaften einer aus Metall gefertigten 2. Stufe verleiht? Ist ein etwas geringeres Gewicht wirklich den großen Aufwand an Entwicklungsarbeit wert oder waren es marktstrategische Überlegungen?

mares: Hat das eine denn nichts mit dem anderen zu tun? Es ist doch völlig natürlich, dass wir die Entwicklungsarbeit und die damit verbundenen Investitionen auch unter marktpolitischen Aspekten planen und abschließend bewerten. Am Beispiel der 2. Stufen, vor allen Dingen am Beispiel der hier zu verwendenden Materialien wird dies deutlich. Unter den Herstellern gibt es hierzu völlig kontroverse Vorstellungen, wobei die meisten Argumente meines Erachtens unter marktpolitischen Gesichtspunkten zu sehen sind. Bisher lautet die Gretchenfrage: Kunststoff oder Metall. Nylon ist der eindeutig günstigere und leichtere Werkstoff. Messing besitzt gegenüber Kunststoffen wie Nylon wesentlich bessere Kaltwassereigenschaften. mares hat sich bisher bei den meisten Modellen - nennen Sie es wie Sie wollen - weniger marktstrategisch sondern mehr im Sinne höchster Leistungseigenschaften für den Werkstoff Metall entschieden. Somit war die Frage der Wirtschaftlichkeit im Ansatz erst zweitrangig. Zugegeben, durch die Akzeptanz unserer Philosophie wurde die Entscheidung den teuren aber besseren Werkstoff Messing zu verwenden eindeutig untermauert. Jetzt greifen wir mit der Nanotechnologie an. Neue Werkstoffe wie das NTT Material kippen alte Grundsätze ad hoc über Bord. Wärmeleitfähige Kunststoffe kombinieren die Vorteile von Nylon und Messing und stellen somit ein echtes Bindeglied zwischen den beiden Extremen dar.

UWW: Was ich  an der 1. Stufe des PRESTIGE  vermisse, ist eine drehbar gelagerte Einheit für die Mitteldruckabgänge. Diese ergäbe nicht nur ein weiteres Komfortplus aufgrund der entspannteren Schlauchführung zwischen 1. und 2. Stufe, man hätte auch bei Montage von zwei getrennten Reglersystemen, wie es bei Kaltwasser oder anderen anspruchsvollen Tauchgängen technisch notwendig ist, mehr Spielraum beim Anschluss an die getrennten Flaschenventile. Warum hat sich mares damit noch nicht näher beschäftigt?

mares: Drehbarkeit ist eher ein schlechter Kompromiss. Intelligenter ist die lateralsymetrische Konstruktion 1. Stufen wie MR 22, 32, 42. Hier zeigen HP und LP Anschlüsse anatomisch geschickt nach links und nach rechts zum Benutzer, so dass eine Drehbarkeit keinen Mehrwert erbringen würde. Es gibt aber auch noch eine produktspezifische Besonderheit von mares 1. Stufen, die bekanntlich durch das patentierte Dynamic Flow Control-System ausgezeichnet sind. DFC minimiert den Mitteldruckabfall. Dies ist stets dann von Bedeutung wenn besonders tief getaucht wird, die Flasche weniger als 50 bar aufweist oder mehrere Taucher gleichzeitig aus einem Regler atmen. Auch die Kombination all dieser Faktoren ist möglich und führt zu einem nicht nur messbaren sondern auch spürbaren Mitteldruckabfall. Die Atemarbeit wird deutlich schwerer, unter Umständen kann dies zu einer ungewünschten Stresssituation führen. Konstruktiv ist DFC im Inneren der 1. Stufen so gelöst, dass es vor allem am Hauptabgang, dessen Position damit festgelegt ist, zur Wirkung kommt. Eine Drehbarkeit kommt somit nicht in Frage.

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