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Wingjackets sind die klassischen Auftriebs- und Tariermittel der Tech – Taucher, weil sie die Befestigung zusätzlicher Flaschen und
Ausrüstungsteile zulassen, seitliche Luftkammern würden hier nur stören. Zudem lassen sich die Blasen von echten Tech – Wingjackets entsprechend der geplanten
Tauchtiefen und des Ausrüstungsgewichts auch extrem großvolumig konfigurieren. Das OUTRIGGER HLT von Oceanic versucht einen Nachteil von Tech – Jackets auf die
Zielgruppe Sporttaucher abgestimmt mit einer zusätzlichen Blase vor dem Bauch zu kompensieren. UnterWasserWelt ging im Bergsee auf Testtauchgänge.
Wingjackets gefallen Sporttaucher vor allem, weil sie beim Tauchen einen geringeren Wasserwiderstand spüren lassen als ADV-Jackets und im Hüft- und Bauchbereich bei
starker Befüllung nicht einengen. Außerdem sieht es sehr professionell aus mit dem Wing in den See zu steigen und so manche Taucherin genießt die zusätzliche Freiheit
im Brustbereich. Es ist für die Designer von Wingjackets immer eine Gradwanderung zwischen den speziellen Merkmalen eines echten Wingsystems, auf das man trainiert
sein muss, und den von Sporttauchern erwarteten konstruktiven Lösungen ein Produkt zu entwickeln, das die einzelnen Vorteile nutzt und bestehende Nachteile wettmacht.
Um es vorweg zu nehmen, der Stein der Weisen in Form eines allen Ansprüchen gerecht werdenden Sporttauch – Wingjackets ist noch nicht gefunden und wird es auch
nicht geben können. Klassische Wings sind aus einfachen Komponenten zusammengesetzt, die der Taucher auf seine Ansprüche abgestimmt auswählt. Tragschalen,
Begurtung, integriertes Blei in der Montageplatte, Flaschenbefestigung, Ventile und Blasenvolumen sind die wesentlichen zur Auswahl stehenden Bauteile. Ein Wing kennt
keine Zubehörtaschen und erst recht keine Einschübe für Trimmblei oder integriertes Blei. Alles Zubehör wird individuell an der Begurtung befestigt. Die Frage nach der
ohnmachtssicheren Position des Tauchers an der Wasseroberfläche beantworten Tech – Wings mit der Verteilung des Blei im Rückenbereich des Tauchsystems, was zu
einer gewissen aufrechten Stabilität an der Oberfläche beiträgt. Ohne zu tief in die Diskussion der ohnmachtssicheren Stabilisierung von Tauchern eingehen zu
wollen, diese Eigenschaft haben nur die alten Tarierwesten, die wie ein Kragen über den Kopf gezogen wurden, ähnlich einer Schwimmweste. Alle Jackets, egal welcher
Ausführung, können bei kritischer Betrachtung hier nicht mithalten.
Wenden wir uns dem OUTRIGGER HLT zu, das natürlich versucht die Ausstattung eines ADV
– Jackets mit dem eines Wing zu verschmelzen und dabei auch noch die ohnmachtssichere Position bieten möchte. Damit kommen wir bereits zum herausragenden Merkmal
dieses „Sport-Wing“, eine zusätzliche Luftblase mit 7 l Volumen vor dem Bauch, die an der Oberfläche dem von hinten wirksamen Auftriebsdruck der befüllten Blase
entgegenwirken soll. Die Blase ist im unbefüllten Zustand zusammengefaltet und am Bauchgurt fixiert. Mit einem in der rechten Innenseite des Jackets, in Schulterhöhe
abgeleiteten Schlauch, der dann unterhalb des Bauchgurts in die Blase mündet, wird diese mit Tarierluft versorgt, wenn das Päckchen am Bauchgurt geöffnet wird. Dazu
muss man eine Schnalle lösen und die Blase manuell entfalten. Das ganze nennt sich dann „HLT“ zu Deutsch „High Lift Transfer“ und ist natürlich patentiert.
Soweit erst einmal der vorweggenommene konstruktive Höhepunkt. Betrachten wir das OUTRIGGER in seinen weiteren Komponenten. Der Schnitt ist auffallend schmal,
zugunsten des Wasserwiderstands. Deshalb gibt es wenig Spielraum nach oben (Grenzwert zur nächsten Konfektionsgröße) und man sollte die notwendige Größe bei einer
Anprobe ermitteln. Können die Schultergurte nur mit Mühe angepasst werden, sollte man eine Nummer größer wählen. Der Brustgurt ist reichlich bemessen, auch einzigartig
– in drei Positionen verstellbar - wohl auch mit dem möglichen Einsatz als Damenjacket im Hintergrund. Der breite Bauchgurt mit Klettverschluss lässt sich
individuell gut anpassen, wobei Stretcheinsätze ihrerseits den in unterschiedlichen Tauchtiefen variierenden Körperumfang (Kompression des Neopren) ideal ausgleichen.
Etwas mehr Reserven wünscht man sich beim darüber liegenden Bauchgurt mit Schnallenverschluss, der dem möglichen Bauch / Körperumfang die eigentlichen Grenzen setzt.
Wer statt des integrierten Blei eine Bleiweste tragen möchte, sollte das bei der Anprobe berücksichtigen. Die Bleitaschen für das integrierte Blei sind mit einer
Steckschnalle (Schnellentriegelung) und zusätzlich mit einer Klettlasche gesichert. Zur Aufnahme von Trimmblei finden sich zwei schmale Einschübe am Rücken, die gerne
etwas großzügiger dimensioniert sein könnten. Die aufgesetzten Jackettaschen sind relativ weit zurückgesetzt, um die Reißverschlüsse oder den Tascheninhalt zu
erreichen muss man leicht hinter sich greifen. Ihr Fassungsvermögen ist ausreichend aber nicht üppig, will man eine Ersatzmaske, eine Signalboje und eine
Reserveleuchte verstauen wird’s eng. Ein klassischer Inflator be- und entlüftet das Jacket, ein Schnellablass ist integriert. Ein weiterer Schnellablass
findet sich auf der rechten Schulter und am tiefsten Punkt links am Rücken. Der Inflatorschlauch ist aus einer besonders flexiblen Gummimischung hergestellt und
fühlt sich weicher an, als die gewohnten Schläuche. Allerdings ist die Öffnung der Halterung, die den Inflator parallel zum Faltenschlauch führt, etwas knapp bemessen.
Man muss die Gummiröhre nachdrücklich durch diese Engstelle manipulieren, was auf Dauer den Schlauch hier belasten dürfte. Eine entsprechend modifizierte Halterung mit
größerer Öffnung wäre wünschenswert. Die Luftzuführung zum zusätzlichen Auftriebskörper erfolgt ebenfalls über einen flexiblen Schlauch. Um die zusätzliche
Luftblase nach dem Tauchgang (an Land) bequem entlüften zu können, wird der Befüllungsschlauch an einer verschraubten Verbindung geöffnet, die Luft entweicht dann aus
der vorderen Stabilisierungshilfe – und der rückwärtigen Tarierblase. Da dieser Schlauch unterhalb der rechten Hälfte des Bauchgurts ein Stück weit offen
verläuft, muss man darauf achten, dass hier während eines Tauchgangs keine mechanische Beschädigung erfolgen kann (in Wracks, bei kräftiger Dünung an Korallenblocken
u.v.m.) denn dann entweicht die Luft in Summe aus dem Wing. Das klassische Einhängen einer Taucherleuchte mit ihrem Bügelgriff am Bauchgurt sollte deshalb besser auf
der linken Seite des Gurts erfolgen. US – Produkte, auch die der Tauchszene, haben gerne einen Touch von besonderer Behaglichkeit, bei Jackets etwa
ausgedrückt durch eine geschmeidige Innenpolsterung. So zeigt sich auch das OUTRIGGER HLT, ganz im Gegensatz zum Erscheinungsbild von Tech – Wings. Wer
einiges an zusätzlicher Ausrüstung an D-Ringen zu sichern hat, findet davon drei am Jacket, zwei weitere aus Kunststoff.
Im Einsatz
Das OUTRIGGER
erwartet vor dem ersten Einsatz eine nähere Betrachtung durch den Besitzer, am besten wird der Tauchpartner auf die Funktion der vorderen Stabilisierungsblase
gebrieft. Die Bestückung und der Einschub der Bleitaschen verläuft problemlos. Die schmal geschnittenen Trimmbleitaschen erwarten Softblei in flexiblen Netzgeweben,
größere Bleistücke oder Softbleipäckchen lassen sich nur unter Vorbehalt einschieben. Ein Flaschengurt (Nylon mit Kunststoffschnalle) und ein Fanggurt am
Ventilsitz befestigen die Atemgasflasche (mit optionaler Modifikation auch Doppelgeräte). Die allgemeine Erfahrung mit innen ähnlich gepolsterten Jackets (etwas
größerer Auftrieb der dafür verwendeten Materialien) rät zur Erhöhung der sonst üblichen Bleimenge und die Tauchgänge bestätigen dies. Die Körperlage während des
Tauchgangs selbst ist wingspezifisch ideal. Das Gefühl geringerer seitlicher Einengung gefällt. Da die Ventile technisch jedoch an den höchsten bzw. niedrigsten
Punkten des Jackets angebracht sind - betrachtet man das OUTRIGGER in senkrechter Lage - entweicht in Schwimmlage beim Entlüften kaum etwas von der Tarierluft. Soll
das obere Ventil wirken, muss man den Körper aufrichten, dem entsprechend den Oberkörper in eine tiefere Lage abkippen, möchte man aus dem rückwärtigen Ventil Luft
ablassen. Das ist gewöhnungsbedürftig, denn bei Sporttauch – Jackets wird in der Regel die höchste Ventilposition in Schwimmlage definiert, dann ist eine
Veränderung der Körperlage beim Entlüften nicht erforderlich. Mit dicken Handschuhen sucht man den hinteren Ablasszug tastend, der sich zwischen Wingblase und
Jacketkörper befindet. An der Oberfläche ist bei der Testkonfiguration unserer Ausrüstung keine übertriebene Kraft spürbar, die den Körper nach vorne zu neigen
versucht. Unter normalen Tauchgangbedingungen wäre die Befüllung der Frontblase also nicht erforderlich, jedoch die Tests verlangen danach. Mit etwas unterkühlten
Fingern dauert es einen Moment, bis die Schnalle mit Druck auf die Entriegelung geöffnet ist. Dann muss man das Entfalten der zusammengelegten Blase unterstützen. Die
Luft aus dem Wing wird selbständig in die Blase gefüllt, mit Druck auf den Inflator kann man bedarfsweise nachfüllen. Die Position im Wasser ist stabil und aufrecht,
sie dürfte der Definition ohnmachtssicher sehr nahe kommen. Mit dem Luftpolster vor dem Bauch ist es nicht unbedingt ratsam über eine Bootsleiter zurück an Bord zu
klettern. Zur Entleerung der Frontblase muss man das Wing selbst teilweise entlüften um das Luftvolumen durch Vorneigen des Körpers – schneller aber mit den
Händen komprimiert - in die Tarierblase zurück zu verlagern und um die Blase dann zusammenzufalten und zu sichern (sonst strömt die Luft aus der Tarierblase
sofort wieder nach vorne). Ganz einfach ist das nicht, etwa mit dicken Handschuhen, in bewegter See, bei Strömung oder als Fotograf mit dem Kameraequipment behängt.
Die QLR – Bleitaschen halten sicher in ihren Positionen und zeigen keine Neigung zu unbemerktem Verlust. Die manuelle Lösung der Bleitaschen erfolgt auf
nachdrücklichen Zug problemlos. Der Einschub der Taschen erledigt sich zügig und sicher.
Fazit
Man hat sich bei OCEANIC einige Gedanken
gemacht die Vorteile zweier völlig unterschiedlicher Tarierkonzepte zusammenzuführen. In der Natur der Dinge liegt es , dass dann Kompromisse gemacht werden müssen,
wie in einer großen Koalition. Ein paar Details, etwa die Lage der Schnellablässe, könnten überdacht werden. Der Einsatz der Frontblase (HLT) wird sich wohl auf die
Fälle beschränken, in denen man die stabilisierende Unterstützung an der Oberfläche wirklich benötigt. Die Verarbeitung ist ausgezeichnet. Zur Überprüfung der idealen
Passform ist eine Anprobe im Fachgeschäft sehr zu empfehlen. Zur Eingewöhnung auf dieses Jacketsystem sollte man ein paar Tauchgänge einplanen.
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