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Krieg und Frieden ist ein bekanntes Thema, das der russische Dichter Lew Nikolajewitsch Tolstoi in einem vier Bände umfassenden Roman zu Papier gebracht hat. Verglichen zur Lage der Tauchmöglichkeiten in Deutschland ist die inhaltliche Zeitspanne des Romans richtig übersichtlich, erstreckt sie sich nur auf 7 Jahre. Die Problematik der Tauchverbote in Deutschland hält dagegen die Szene bereits viel länger in Atem und wird wohl so bald nicht zu den Akten gelegt werden können.
Verzeihen Sie, wenn wir nochmals auf dieses Thema eingehen, denn allzu frisch ist die Erinnerung an eine erstmalige öffentliche Protestveranstaltung von Tauchern in München (siehe unsere Reportage). Ich möchte nicht grundlegend negativ wirken und mit dem Positiven beginnen.
Trotz unangenehmer Wettersituation und unattraktiver Termingebung an einem Sonntag Spätvormittag kam eine illustre Gruppe von Taucherinnen und Tauchern in München zusammen; eine
Gruppe, die authentisch wirkte und auch den Eindruck hinterließ, mit Freude die Flossen in heimischen Gewässern nass zu machen. Wohl die einzigen, die nach außen die
Veranstaltung wahrnahmen – wahrnehmen mussten – waren dazu abgestellte uniformierte und in zivil anwesende Polizeibeamte. Jene hätten sicher etwas Besseres an einem
Sonntag Vormittag zu tun gehabt, als eine harmlose, friedfertige, freundliche und gesellige Gruppe von Interessenvertretern gegen Tauchverbote argwöhnisch im Auge zu
behalten. Wie dem auch sei, das Negative soll nicht unter den Tisch gekehrt werden, denn es fehlten Vertreter von Interessengruppen unterschiedlicher Lager, die
diesen Protest hätten bereichern und beleben können, über das hinaus, was die IG Tauchen in Bayern soweit allein gestemmt hatte. Wo waren die direkt betroffenen Tauchschulen
und Tauchvereine, die unter den meist nicht rational erklärbaren Reglements und Verboten zu leiden haben, während andere Gruppen, die nicht reguliert werden können, fröhlich ihrem
Freizeitvergnügen nachgehen? Wo waren die Vertreter der Tauchsportindustrie, die zum Teil das Tauchen in heimischen Gewässern wieder in ihr Marketingbewusstsein aufgenommen
haben, mit dem steten Blick ins Rote Meer oder den Indik jedoch schon lange den Bezug zur Realität vor der Haustüre verloren zu haben scheinen. Und sehe ich auf die
Verweigerungshaltung eines BLTV, der seinen Mitgliedern sogar abriet am Protest teil zu nehmen, bleibt nur die Frage, wofür braucht Bayern dann noch einen Bayerischen
Landestauchsportverband? Als Verband, in dem sich ein paar Funktionäre mit Ämtern schmücken und sich in der Verbandsklausur wichtig machen dürfen? Meine Damen und Herren,
Rückgrat ist gefragt und nicht nur ein scharfes Auge um die nächste Deckung auszumachen, hinter der man sich verstecken kann, bis der Rummel vorbei ist. Fluchtverhalten oder
Todstellen ist hier das völlig falsche Signal. Ja, und wo war die einschlägige Presse, die das Thema Tauchen in heimischen Gewässern von vornherein trotz häufiger
Lesernachfragen nur einem Lippenbekenntnis gleich ab und an einmal am Rande erwähnt? Reiseberichte in exotischen Destinationen zu produzieren ist natürlich leichter und um vieles
reizvoller, als sich in kaltes Wasser zu stürzen, das noch dazu oft nur mäßige Sichtweiten aufweist und die Produktion von Fotomaterial oft zum Glücksspiel werden lässt. Einige
nutzten diese von der IG Tauchen in Bayern ausgerufene Veranstaltung gar, in ihrer eigenen Abwesenheit Eigenwerbung verbreiten zu lassen. Außer UnterWasserWelt mit drei
Mitarbeitern konnten keine weiteren Pressevertreter lokalisiert werden, der vor Ort in Bild und Text festhielt, was Sache war. Sollte tatsächlich jemand übersehen worden sein, so
würde das überraschen, aber vielleicht war hier die Tarnung auch allzu gut gelungen. Sollte es eine weitere Protestveranstaltung geben, was wünschenswert wäre, so erwarten wir
dann aber auch Transparente, keinen Termin mehr am Sonntag, wo eine große Aufmerksamkeit durch Passanten eher unwahrscheinlich ist, Vertreter der Industrie, der Tauchschulen und
– wenn es sein muss – auch des BLTV. Wenn der Verband – oder einzelne Funktionäre - niemanden entsenden möchte, so sollte zukünftig wenigstens auf
Beeinflussungsversuche verzichtet werden, die das Recht der Verbandsmitglieder zur freien Meinungsäußerung in Frage stellen könnten.
Gelingt dies nicht, dann „Petri Heil“ statt „Gut Luft“. Es drängt sich allerdings auch die Frage auf, warum nach Jahrzehnten der Konflikte an heimischen Gewässern
zwischen den Interessensverbänden von Fischern, aber auch Anliegern nicht endlich ein Einlenken und Umdenken stattgefunden hat. Kaum ist ein "Gegner" gesichtet, wird
gelästert, was das Zeug hält; in diesem Punkt stehen Taucher den "Wurmbadern" leider in nichts nach. Und so kochen Meinungen schnell hoch, werden Vorurteile etwa bei
Tauchschülern frühzeitig geschürt, ohne darüber nachzudenken, dass ein friedliches Miteinander am See nur Vorteile bringen kann.
Wie wäre es statt extensiv ausgelebtem Zank
und Streit einmal mit Infoabenden gemeinschaftlich mit ortsansässigen Fischern, wo Taucher und Fischer gemeinsam über Erlebnisse und Erkenntnisse an "ihrem" See
sprechen. Das Ganze ließe sich von Taucherseite mit oft bereits vorliegenden Fotos untermalen. Wer weiß, womöglich ließe sich ein erstaunlicher Konsenz finden, denn letztendlich
ist keines der verstrittenen Lager an der Zerstörung von Uferzonen, Laichgebieten etc. interessiert.
Ein anderes mögliches Feld wäre der Naturschutz. Hier mit regionalen
Behörden und Organisationen zusammenzuarbeiten, kann das Erlangen von Tauchgenehmigungen sicher erleichtern und zudem womöglich ein sehr großes und zudem hochinteressantes
Betätigungsfeld über wie auch unter Wasser eröffnen. Kaum jemand kann genauer etwas zum Zustand eines Gewässers und deren Bewohner sagen, als ein Taucher, der regelmäßig im
Jahresverlauf in einen See steigt! Dies könnte auch positiv in Verhandlungen mit den regionalen Interessen-Gemeinschaften, Fischerei-Verbänden und Gemeinde-Behörden
eingebracht werden und stimmt selbst militanteste Fischer milde. Kaum ein Fischer weiß wirklich, was wir Taucher unter Wasser tun, nimmt er doch nur die Prozeduren am Ufer wahr.
Alle haben es in der Hand, in Zukunft vernünftige Lösungen unter Einbindung aller Interessensgruppen und Entscheidungsträger zu finden. Wenn aber jene zu Hause bleiben, die
beim Dekobier am Tresen meist am lautesten klagen, müssen sie sich auch selbst an die Nase fassen und eingestehen, dass sie lieber jammern als handeln.
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