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C: Herbert Frei / UWW

by Herbert Frei 6.03

Es geschah vor mehr als einer halben Million Jahre. Kochend heißes Wasser verdampfte in Sekundenschnelle, als sich der gewaltige Lavaberg aus dem Meer erhob. Ein neuer Vulkan erblickte das Licht der Welt. Eine der faszinierendsten Inseln des Erdballs war geboren. Saba - ein Eiland mit Vergangenheit und Zukunft. Herbert Frei wandelte im Zwielicht von Urzeit und Moderne. Und fand einen Spielball der Natur.   


Sie suchen einen Urlaubsort mit einer naturbelassenen Unterwassserwelt, ein Ziel ohne Pauschaltouristen und Frittenbude, eine Gegend so weit weg von der Zivilisation, dass man sie selbst auf guten Weltkarten nicht findet... dann kann eigentlich nur Saba gemeint sein. Unbekannte Karibik? In der heutigen Zeit?  Gibt`s doch gar nicht! Gibt`s doch!! Wo sonst auf der Welt findet man einen Regenwald in den Wolken? Eine Insel mit nur einer Straße, aber ohne Strand? Der Fels im Meer besitzt die kürzeste Start- und Landepiste aller kommerziell betriebenen Flughäfen dieser Welt. Hier werkelt die kleinste medizinische Universität mit den wenigsten Studenten. Auf knapp1400 Einwohner kommen über 800 Autos, drei Motorräder und ein Fahrrad sowie eine Menge bunter Häuser, die nie abgeschlossen werden. Denn auf Saba gibt es so gut wie keine Kriminalität. Diebe, Räuber, Rauschgifthändler - wo sollen sie nach erfolgter Tat auch hin? Jeder, der die Insel verlassen will, kann das nur über den Luftweg oder mit einem Boot aus dem kaum Fußballfeld großen Hafen. Hinzu kommt: Jeder kennt jeden. Und wen man nicht kennt, den merkt man sich. Schlechte Karten für die Unterwelt. Per Anhalter durch das kleine Saba? Kein Problem! Wer winkt, wird mitgenommen! Reiseführer? Fehlanzeige! Die Insel gibt sich geheimnisvoll wie der Schatz der Nibelungen.

Historik

Man schätzt, dass die ersten Menschen vor etwa  3000 Jahren nach Saba kamen. Soweit zurück konnten menschliche Rückstände mit der Radiocarbon - Methode nachgewiesen werden. Um 1175 vor Christus besuchten Jäger und Fischer das Eiland. Vermutlich nur kurzfristig, denn auf Saba gibt es kein Wasser. Diese Tatsache hat auch die meisten Schiffbrüchigen und Kosmopoliten in frühen Zeiten vor einer strukturierten Besiedelung abgehalten. Im Jahre 800 nach Christus wanderten Arawak - Indianer aus Südamerika nach Saba und errichteten eine Siedlung. Funde bestätigen, dass die kriegerischen Stämme auch in Höhlen lebten und sich gegen andere Menschen sehr aggressiv verhielten.
1493 fuhr Kolumbus auf seiner zweiten Fahrt an Saba vorbei. Er vermied eine Landung, weil der Vulkan Aktivitäten zeigte, annektierte aber die Insel. Saba wurde erstmals Teil der spanischen Krone. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte geriet Saba in unterschiedliche Hände. Franzosen und englische Piraten brachten wechselweise die karibische Insel unter ihre Herrschaft. Erst im Jahre 1640 übernahmen dann die Holländer für gut 150 Jahre die Regentschaft über Saba. In dieser Zeit entstand die Niederlassung Bottom, heute Hauptstadt von Saba und mit knapp 600 Einwohnern die kleinste Metropole der Welt. Zwischen 1800 und 1816 wechselte Saba wiederum mehrmals die Besitzer. Engländer und Iren teilten sich die Insel, bis 1816 die Holländer dem wechselhaften Treiben ein Ende setzten und endgültig das Zepter in die Hand nahmen. Weil die  Sabanesen fast alle zur See fuhren und ihr Einkommen als Fischer verdingten, deshalb oft monatelang fort blieben, nannte man Saba die Insel der Frauen.
In Bottom gründete 1919 Frederick Simmons eine Navigationsschule, aus der viele bekannte Navigatoren und Kapitäne hervorgingen. In der Tent-Bay  entstand auch eine kleine Werft, die Holzboote und sogar Schoner herstellte, die bis in die USA fuhren. Noch immer war das Trinkwasser Saba`s größtes Problem. 1920 wurden auf Initiative der damaligen Inselverwaltung die ersten großen Zisternen nahe der katholischen Kirche im Ort Hells Gate gebaut, in denen Regenwasser gesammelt wurde. Neben einer keinen Salzwasser - Entsalzungsanlage ist diese Methode der Brauchwassergewinnung auch heute noch geläufig und selbst in Hotels und Unterkünften anzutreffen.
1925 wurden die ersten Esel importiert. Mit ihnen transportierte man Holz, Medikamente, Küchengeräte und Lebensmittel zu den auf der Insel verstreuten Häuser. Vorher wurde alles getragen und über endlose Treppenwege hinaufgeschleppt. Eine mörderische Plagerei. Sabas zweites großes Problem war die Unwegsamkeit. Der Plan, eine befestigte Straße zu bauen, wurde von den Holländern stets als unmöglich abgelehnt. Für die auf Flachlandstraßen spezialisierten niederländischen Ingenieure war der Straßenbau auf Saba eine weder rentable noch durchführbare Angelegenheit. Dieser Ansicht konnte sich der Sabanese Josephus Lambee Hassels nicht anschließen. Für ihn war klar, es musste eine Straße quer durch die Insel zu den verschiedenen Siedlungen erschlossen werden. Hassels war nicht nur ein Mann der Tat, sondern auch unglaublich zäh und entschlossen. In einem aufwändigen Selbststudium eignete sich der Autodidakt das Wissen um den komplizierten Straßenbau im Gebirge an. Allein mit ihrer Hände Arbeit schufteten die begeisterten und ehrgeizigen Sabanesen bis 1943 fast 14 Jahre lang an dieser Hauptstraße, die in dieser Form noch immer existiert und ohne die das heutige Leben auf diesem Eiland nicht denkbar wäre. The Road, wie diese 14,5 Km lange Straße genannt wird, ist auch heute noch die einzige Verbindung quer durch die Insel.    
So kurz Sabas Hauptstraße auch sein mag, sie zog die Autos magisch an. 1947 wurde das erste motorbetriebene Fahrzeug importiert. Doch erst 1958 wurden die zu den Häusern führenden Querstraßen gebaut. Mittlerweile besitzt fast jeder Sabanese ein Auto. Gefahren werden selbst kürzeste Strecken. In der Hauptstadt Bottom und in der Kleinstadt Windwardside geht es an manchen Plätzen zu wie zur Hauptverkehrszeit in München. Um nach Saba zu kommen mussten die Menschen seit jeher umständlich über das Meer fahren. Ein eigener Flugplatz war der Traum vieler Insulaner. 1959 landete die erste Maschine auf Saba. Der todesmutige Pilot, ein Mann namens R my de Haenen landete in einem Tal zwischen Felsbrocken und tiefen Löchern. Der Bau eines Flughafens war nun zwingend notwendig geworden und wurde auch beschleunigt in Angriff genommen. Initiator war der damalige Antillen- Finanzminister Juancho E. Yrausquin, nach dem der sabanesische Flughafen dann auch benannt wurde. 1963 landeten die ersten offiziellen Passagierflugzeuge auf Sabaa. Die Piloten mussten eine Spezialausbildung absolvieren, denn die nur 400 m lange Start -und Landebahn erfordert höchste Konzentration. Zum Starten verbleiben gerade mal 6-10 Sekunden, dann muss der Flieger in der Luft sein, sonst gibt es eine Notlandung im Wasser. Auch der Landeanflug ist ein Abenteuer für sich. Die Kante zum Meer ist schneller erreicht, als mancher Urlauber durchatmen kann. Dann dreht der Pilot eine Kurve... es ging mal wieder gut. Für Düsenjets ist der winzige Inselflugplatz nicht geeignet.
Erst 1970 bekann die Insel elektrischen Strom. Bis dahin behalfen sich die Insulaner mit Petroleumlichtern. Die Beleuchtung der Straßen und Wege wurde bis dato mit kunstvoll verzierten Lampen vollzogen. Sabas Hafen wurde schließlich 1972 nach langen Diskussionen in der Fort Bay ausgebaut und nach seinem Konstrukteur Leo A. Chance Pier genannt. Nun endlich konnten auch etwas größere Schiffe und Fischtrawler anlegen, um die Insel zu versorgen. Ein großer Schritt in Richtung Internationalität und wirtschaftlicher Unabhängigkeit.
1992 gründeten das Gouvernement der Niederländischen Antillen, Professoren und diverse Geldgeber in der Hauptstadt Bottom eine medizinische Universität. Die kleinste der Welt, aber effizient und leistungsfähig. Die Studiengebühren dieser privaten Uni  sind entsprechend hoch und können nur von wohlhabenden Eltern aufgebracht werden. In der Regel studieren hier  junge Leute aus den USA, Kanada und den Niederlanden, die den Numerus Clausus für staatliche Universitäten in ihrem Heimatland nicht erfüllt haben. Ein lockeres Studium mit tauchen und in der Sonne liegen ist trotzdem nicht gegeben. Die Regeln sind streng, die Vorlesungen zügig, die Prüfungen so hart wie anderswo. Vorteil der Saba University School of Medicine: Saba ist medizinisch rund um die Uhr gut versorgt. 
Eine große Ehre wurde den Sabanesen im Jahre 2002 zuteil. Die UNESCO ernannte ihre Insel zum Weltkulturerbe. Höhere Weihen kann es nicht mehr geben.

!Saba heute

Europäer kennen Saba wohl kaum, und selbst weit gereiste Taucher kommen ins Straucheln, wenn sie dieses Reiseziel einordnen sollen. Zumal es so sein wird, dass Saba immer mit der Königin von Saba (Äthiopien) verwechselt wird. Und dann gibt es noch die Provinz Saba auf Borneo. Mit all dem hat das karibische Eiland nichts zu tun. Saba wird vornehmlich von amerikanischen und holländischen Touristen besucht. Für die Niederländer ist das praktisch ein Heimspiel, denn die offizielle Sprache ist holländisch. Tauchen scheint auf Saba der einzige Sport zu sein, der sich auszuüben lohnt. Aber das täuscht. Die bergige Insel ist mit wunderschönen, aber anstrengenden Wanderwegen und einsamen Dschungelpfaden durchzogen, deren Begehung einmalige Erlebnisse darstellen. So verschlafen Saba mit seinen abgeschiedenen Siedlungen auch wirken mag, die Insel ist hellwach, wenn es um die Vermarktung ihrer Interessen geht. Und die heißen verträglicher Tourismus, was immer man darunter verstehen mag - und Wohlstand für die Insulaner.
Zu den umweltpolitischen Annehmlichkeiten Saba`s gehören die steilen zum Meer abfallenden Hänge mit Lavageröll und grobem Schotter. Diese geomorphologische Struktur hat bis heute verhindert, dass sich Hotels auf der Insel breitmachen und ihre Gäste mit einem Strand beglücken. Es gibt nämlich keinen. Selbst einfaches Baden stößt auf ungeahnte Schwierigkeiten. Wer das will, muss eine Kletterpartie absolvieren, die jeglichen Badespaß bereits im Keim erstickt. So gesehen ist auch Tauchen von Land aus so erschwert, dass es niemand macht.
Saba`s großer Schatz ist die Natur. Wild und doch harmlos, exotisch und doch vertraut, faszinierend und doch gewöhnlich- eine Mischung, der jeder Besucher ohne Ausnahme chancenlos erliegt. Hier wächst, was zuhause nur im Wohnzimmer überlebt. So begegnen einem Blumen und Bäume, die man noch nie in freier Natur gesehen hat. Auf Saba gibt es keine wilden Tiere, keine giftigen Schlangen, keine mörderischen Spinnen und nur wenige Moskitos. Dafür Kolibris, Leguane, bizarre Eidechsen, Frösche, Ziegen und einige endemische Insekten.

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