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Urlaub mit dem Auto ist wieder in. Die Küsten des Mittelmeeres gewinnen zunehmend an Attraktivität, hier insbesondere der Norden Spaniens mit seiner Felsenküste und den
unvergleichlichen Medas-Inseln. Herbert Frei über einen Alternativurlaub, der so manches tropische Ziel ziemlich alt aussehen lässt.
Wer zu den Islas Medas will,
muss seinen Urlaub in dem malerischen Fischerort l`Estartit verbringen. Nur von hier aus gelangt man mit autorisierten Tauchschulen zu den geheimnisvollen Felsen vor der Küste.
Die Islas Medas waren bereits in den 70er Jahren das Ziel vieler deutscher Taucher. Spanien war damals neben Italien das Tauchreiseland schlechthin. In den letzten 15 Jahren hat
sich die Waage aber mehr in Richtung Ägyten geneigt. Tropische Tauchurlaube waren erschwinglich geworden. Spanien wurde vielen zu teuer und ist es im Verhältnis zu den Billig
- Pauschalreisen nach Hurghada auch heute noch. Geiz ist sicherlich geil, macht aber nicht immer glücklich. Wer sich mit 20 Tauchbooten an einem abgeschliffenen Riff vor der
Küste Ägyptens mit mehr als 300 Tauchern durch die Blasenvorhänge zu den letzten Korallen vorarbeiten muss, bekommt irgendwann den Hals bis zur Oberlippe voll. Gleichzeitig wird
auch die Sehnsucht nach etwas Individualismus, Charme, Gemütlichkeit und einer UW - Welt geweckt, die zwar viel betaucht, aber nicht abgetaucht ist. Glücklich kann sich der
schätzen, der dann auf den Medas gelandet ist. Hier findet er Mittelmeertauchen in seiner ursprünglichen Form mit einem Fischreichtum, der an frühere Zeiten erinnert.
Costa Brava
Früher nannte man sie die Küste der Banditen. Nicht zu unrecht, denn Überfälle auf Handelsschiffe und Schiffsreisende waren an der Tagesordnung. Das ist
lange her. Schon im Jahre 1900 begann man mit zaghaften Versuchen, eine Fremdenverkehrsindustrie aufzuziehen. Die Costa Brava gehört zur spanischen Provinz Katalanien, die bereits
mit dem Ausrufen der spanischen Republik im Jahre 1931 ihre angestrebte Autonomie erhielt. Zwar ist die Amtssprache Spanisch, aber die Umgangssprache ist Katalan, das in den
Schulen unterrichtet und in der Presse geschrieben wird. Wer in Katalanien arbeiten will, sollte Katalan sprechen. Das erleichtert den Umgang mit den Menschen. Das Spanische
gewinnt allerdings an Einfluss, weil Urlauber und Zugereiste in ihren Heimatorten meistens nur Spanisch gelernt haben. Der Norden Spaniens gilt als eine der schönsten und
reizvollsten Landschaften auf der gesamten Iberischen Halbinsel. Die Küste ist weitgehend felsig, durchzogen von immer noch einsamen und malerischen Buchten mit feinem, weißen
Sand. Im Gegensatz dazu stehen die nicht immer passenden und architektonische gelungenen Betonburgen in den ehemaligen Fischerorten. Aus manchem idyllischen Ort ist in den letzten
20 Jahren eine Bauwüste mit Wohnsilos bis in den Himmel geworden. Die Spanier haben aber zumindest erkannt, dass es so nicht unbegrenzt weitergehen kann und mit strikten Maßnahmen
Über-und Unterwasser - Naturparks eingerichtet und die individuelle Bautätigkeit auf ein erträgliches Maß reduziert. Mit dem Ergebnis, dass man westlich der Touristenhochburg
Rosas im Sumpfgebiet von Emporda wieder Störche und Flamingos beobachten kann.
L`Estartit
Noch in den 60er Jahren des letzen Jahrhunderts war der Ort
verschlafen und nur wenigen Eingeweihten bekannt. Das änderte sich aber schnell, als in den 70er Jahren der Reiseboom nach Spanien losbrach und auch immer mehr Taucher die Costa
Brava entdeckten. Auch L`Estartit wurde vom unkontrollierten Bauboom nicht ganz verschont, aber man konnte den Zustrom der Fremden wenigstens etwas kanalisieren. Das Hafengebiet
ist überschaubar, viele Strecken kann man noch zu Fuß gehen. Auch hilft die Topographie gegen ausufernde Ansiedlungen. Die Steilwände über der Kernstadt sind mehr oder weniger
zugebaut, die besten Lagen vergeben. Zehn Tauchschulen teilen sich die Medas, wovon UNISUB die älteste und renommierteste ist. Privates Tauchen, also vom eigenen Boot, ist an den
Medas Inseln nicht erlaubt. Ob das immer so kontrolliert wird, war nicht ersichtlich, denn man sah schon hin und wieder eine Nussschale mit einigen mutigen Tauchern an den Felsen
dümpeln. Zwei riesige Campingplätze saugen in der Hauptreisezeit einige Tausend Gäste auf. Ein breiter Sandstrand davor sichert Kindern und Sonnenhungrigen
die schönste Zeit des Jahres. Im Sommer platzt L`Estartit wie alle Badeorte an der Costa Brava aus allen Nähten, wobei es mit Baden nicht überall so weit her ist. Ein Großteil der
Küste um L`Estartit besteht aus Fels mit allerdings sehr idyllischen Buchten. L`Estartit kann deshalb eher als Taucherort mit einer der schönsten und fischigsten UW - Landschaften
im gesamten Mittelmeer bezeichnet werden.
Die Medas Inseln
Wenn man in L`Estartit an der Uferstraße aufs Meer
hinausblickt, schaut man auf einige große Felsen, von denen der Größte einen stattlichen Leuchtturm besitzt. Die Islas Medas sind unbewohnt, können aber mit einem Ausflugsboot
unter sachkundiger Führung besucht und zumindest im Falle der Leuchtturminsel betreten werden. Für Taucher sind Felsen im Meer immer ein attraktiver Anziehungspunkt, weil sich
dort das Leben oft explosiv entwickelt. Vom Hafen in L`Estartit fährt man mit dem Tauchschiff in knapp 15 Minuten zu den Medas Inseln. Die kurze Fahrtzeit ist insofern
angenehm, weil man auch als magenempfindlicher Mensch kaum mit Seekrankheit zu rechnen hat. Wer vorher noch einen Super-Peb Kaugummi (hält 6 h an) zu sich nimmt, kann unbeschwert
tauchen. Denn eines ist auch klar: Rund um die Medas kann das Meer bei entsprechenden Windverhältnissen ganz schön unruhig werden. Erfahrungsgemäß fällt dann aber das Tauchen aus,
weil es alles andere als lustig wird. Auch wetterbedingte Strömungen können auftreten, die nicht nur vom Skipper etwas Erfahrung und Übersicht verlangen. Überall auf den Medas,
das mussten wir lernen, kann man nicht jederzeit tauchen, wenn einem danach ist. Etwa 10 ausgewiesene Tauchplätze können angefahren werden, von denen jedes dieser Areale
anders als die anderen ist. Und das, obwohl sie oft weniger als 100 Meter auseinanderliegen. Die Tauchplätze sind teilweise so abwechslungsreich und groß, dass auch mehrmaliges
Anfahren keine Langeweile aufkommen lässt. Überall sind Bojen verankert, so dass sich die Tauchschiffe sehr umweltschonend positionieren können. Nach Möglichkeit wird vermieden,
mehrere Boot an einem Tauchplatz festzumachen. Meistens taucht man so, dass sich die Gruppen unter Wasser nicht treffen.
Unterwasserwelt
Die Medas Inseln
sind unter Wasser stark zerklüftet, riesige Höhlen und Spalten durchziehen die Felsen. Vereinzelt kann man die großen Felsen in moderaten Tiefen durchtauchen, um auf der anderen
Seite eine neue UW-Landschaft kennen zu lernen. Die Medas Inseln sind taucherisch sehr abwechslungsreich und spannend. Steilwände wechseln mit Brandungszonen, Kamine und
Schluchten durchziehen die Wände, große solitäre Felsen liegen unweit der Riffe, über und über bewachsen. Je nach Jahreszeit ist die Sicht so gut, dass man Taucherbilder mit
Fischschwarm zelebrieren kann. Schwer vorstellbar, dass es ähnliches irgendwo an der Spanischen Küste zu sehen gibt. Wundern muss man sich, dass es an den Islas Medas keine Wracks
gibt. Ist hier nie ein Frachter gesunken, ein Sportboot oder in früheren Jahren eine Galeere oder ein mittelalterliches Handelsschiff? Anscheinend nicht, denn nie wurde ein Wrack
gefunden. Auch keine Amphoren oder andere Gegenstände. Ein Wrack gibt es abseits der Inseln an der Küste, das auch angefahren wird. Es handelt sich um die „Reggio
Messina“. Sie liegt zwischen 15 und 34 m Tiefe, das Wasser ist hier etwas trübe, die Stimmung düster, mit der UW - Fotografie kann man nur punkten, wenn ein Fisheye
montiert ist. Ursprünglich sollte die „Reggio Messina“ an den Islas Medas versenkt werden, aber die Behörden gaben kein grünes Licht, weil die Medas Inseln zu dieser Zeit
schon als Naturschutzgebiet ausgewiesen waren. Das Wrack ist nach der Versenkung 1992 in drei Teile zerfallen, Aufbauten sind noch vorhanden, die Räumlichkeiten kann man
betauchen, der Bewuchs hält sich aber immer noch in Grenzen. Achtung: Man kann hier leicht in die Deco kommen! An der Küste selbst gibt es etwa weitere 15 offizielle Tauchplätze,
die normalerweise bei schlechtem Wetter genutzt werden, wenn an den Islas Medas absolut nichts mehr geht.
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