|
Bei TUSA haben Damenjackets Tradition und schon lange bevor man in der europäischen Tauchsportindustrie darüber nachdachte, was man
Taucherinnen Gutes tun könnte, hatte man in Japan bereits reagiert. Im Zusammenspiel mit der für TUSA typischen, vom Auftriebskörper unabhängigen Harness, winkt
Tauchcomfort pur. Obwohl als relatives Leichtgewicht für reisefreudige Damen im Visier, nahm es unsere Technikredakteurin mit Trockentauchanzug in den eiskalten
Quelltopf.
Auf den ersten Blick kann man nicht erkennen, dass TUSA das Selene Wing BCJ 6910 den Damen als Endkunden zugedacht hat, denn es gibt äußerlich
keine signifikanten Hinweise darauf. Keine modisch frische Farbgebung, keine Designelemente, ein schwarzes Wing mit allem Drum und Dran, was man allgemein an einem
hochwertigen Jacket erwartet, wird geboten. Vielleicht ist es ja auch nur die Überlegung, dass Ladies, die sich für ein Wing entscheiden, nicht unbedingt zur Kategorie
Kundschaft zählt, die auch im Tauchsport zu modischen Bekenntnissen neigt. Wie dem auch sei, die Features des BCJ 6910 erfreuen die gelegentliche Freizeitsportlerin
ebenso, wie die engagiert tauchende Frau. Ein Indiz für die Ernsthaftigkeit, die hinter diesem Ladyjacket steht, ist zweifellos die maximal mögliche Bleimenge, die vom
Hersteller mit 16 Kilogramm angegeben wird, wobei sich 2x6 Kilogramm auf die Einschubtaschen des integrierten Bleis und 2x2 Kilogramm auf die rückwärtigen
Trimmbleitaschen verteilen können. Das sind Mengen, die Sie nicht bei Tropentauchgängen auflegen, da muss schon ein Trockentauchanzug und eine Aluflasche vor Galapagos
getragen werden, um unter Umständen an diese Limits zu stoßen. Nichts desto trotz, wer von einem anderen Jacket, womöglich von einem Tec – Wing, auf das
Selene Wing umsteigt, sollte die notwendige Bleimenge vor dem Tauchgang erst einmal ausloten, denn das Leichtgewicht entwickelt doch etwas mehr Auftrieb, als man ihm
ansieht, was mit etwa zwei Kilo fürs Jacket berücksichtigt werden muss. Und das erstaunte unsere Technikredakteurin denn doch, was sie dazu zwang, sich am Grund nach
einem passenden archaischen Ballaststoff umzusehen, um auch im Flachbereich Position beziehen zu können. Dass eine Wingblase, also ein nur im Rückenbereich sich um
die Flasche entfaltender Auftriebskörper, ein Hinweis auf eine besondere Interessenslage am technischen Tauchen wäre, ist aktuell nicht haltbar. Damen hatten sich
wegen der größeren Bewegungsfreiheit am Oberkörper schon in der Vergangenheit öfters für Wingjackets entschieden, ohne Absichten zum „Teckilager“ zu wechseln. So
ist das Selene Wing auch kein typisches Tech – Jacket, von der hochwertigen und robusten Ausführung jedoch den Tech – Wings ebenbürtig. Viel Wert wurde
auf das Gewicht und die Ausstattung gelegt. Gerade im Bereich der Rückentrage und Flaschenbefestigung wurden Gewichtseinsparungen durchgeführt, die jedoch das Handling
nicht beeinträchtigen. Nach wie vor hält ein Schnellspanngurt und darunter ein Stabilisierungsgurt die Flasche stets senkrecht am Rücken. Ein Fangurt um das
Flaschenventil gelegt unterstützt die angenehme Position der Flasche beim Tragen. Zur Anpassung an besonders schmale Schultern lässt sich im Nackenausschnitt ein
entsprechend eingearbeiteter Gurt individuell einstellen. Neu und sehr komfortabel ist der tief gezogene, gepolsterte Nackenausschnitt oberhalb der
Rückenpolsterung. Hier hat TUSA generell ein altes Problem bei Jackets erkannt und endlich konstruktiv gelöst. Viele Jacketkragen sind im Nacken hinsichtlich des
Tragekomforts zu hoch gezogen. Neigt man den Kopf nach hinten, behindert das Material teils spürbar. Beim Selene Wing kann das so nicht mehr gefühlt werden. Die
Polsterung im Rücken sowie in den Schultergurten lässt das Wing auch nur mit Tropenshorty oder Badebekleidung tragen. Wie stets bei TUSA – Jackets
ist die Harness, die Bänderung, mit der die Flasche getragen wird, vom Auftriebskörper unabhängig. So erreicht man eine optimale Gewichtsverteilung, das Gewicht der
Flasche und des Blei liegt auf der Schulter und zieht nicht an falschen Angriffspunkten am Körper. Schon länger bekannt und erprobt ist das A.W.L.S.
Bleitaschensystem, mit verlustsicher konstruierter Schnellabwurfschnalle. Die Position der Bleitaschen unterstützt auch an der Oberfläche die Körperausrichtung der
Taucherin. Mit 4 Schnellablassventilen, zwei rückwärtig an der Unterseite, zwei auf der Schulter (davon eines im Inflatorschlauch integriert) ist das Selene Wing
außergewöhnlich gut ausgestattet. Die Blase wird seitlich mit je einem Gurt für die Maximalausdehnung fixiert. Zu großen Teilen ist die Blase von Ultra-Stretch
Spandexgewebe ummantelt, das sich der Ausdehnung der Blase bei Befüllung folgend glatt anpasst. Dies ermöglicht in allen Befüllungssituationen eine stromlinienförmige
Kontur des Jackets und man kann auf für Wingblasen typische elastische Bänder verzichten, die sonst das Entlüften der Blase und dem folgend deren Rückführung an die
Harness unterstützen müssen. Etwas mehr als ein Lippenstift passt in die beiden Taschen, die mit einem Zipper verschlossen werden, aber größere Dinge, etwa eine
kleine Digitalkamera, kann man nicht unterbringen. Und sind die Bleitaschen gut gefüllt, dann nimmt deren Volumen auch noch ein Stück vom Taschen - Stauraum weg.
Der Brustgurt ist höhenverstellbar ausgeführt, man muss dazu nur die beiden Gurtteile an einer höheren Textilschlaufe der Schultergurte einfädeln. Front- und
rückseitig sind je 4 Kunststoff – D-Ringe vorbereitet, einer bereits mit einem Schlauchhalter bestückt. Zusätzliche Befestigungspunkte für Zubehör bieten breite
Textilschlaufen an den Schultergurten. Schmale Reflexstreifen an den Schultergurten und großes TUSA – Logo auf der Rückseite der Blase sollen das Selene Wing
nachts sichtbar machen.
Praxis
Die Anpassung des Wing an individuelle Anforderungen ist vorbildlich möglich, die Berücksichtigung der
Schulterbreite bringt Pluspunkte ein. Unterschätzen darf man das Leichtgewicht nicht in der eigenen Auftriebskraft, sonst muss man Steine suchen, hat man sich
unterbleit auf den Weg gemacht. Die Gewichtsbilanz, bis maximal 16 Kilogramm lässt sich – gerade auch bei einem als Reisejacket an den Start gegangenen
Modell, wirklich sehen. Die Bleieinschübe sitzen sicher, zum Lösen der Abwurfschnallen muss geradlinig wirklich kräftig gezogen werden. Das Taschenvolumen erinnert an
den Kofferraum eines Sportkabrio, aber „Frau soll ja auch tauchen und nicht shoppen“. Was in den Taschen keinen Platz hat, kann man an den vielen D-Ringen
griffbereit anhängen. Die Befüllung und Entlüftung funktioniert rasch und tadellos, die Entlüftungskordeln lassen sich gut erreichen und bedienen. Subjektiv wird
der Tragekomfort als sehr gut empfunden. Die Position in Schwimmlage und an der Oberfläche ist gleichfalls angenehm, wichtig gerade bei Wings, dass die
Tarierbleitaschen befüllt werden. Verarbeitung und Material (840 Denier) machen einen guten Eindruck und lassen lange Freude am Wing erwarten.
Fazit
Nur für die Reise viel zu schade, auch über dem 7 Millimeter Halbtrockenen oder einem Trockentauchanzug macht das TUSA Selene BCJ 6910 eine gute Figur. Statt
schickem Schwarz wärs Zeit auch mal etwas Farbiges zum Tauchcocktail zu tragen, denn so unfarbig ist Japan wirklich nicht. Alles in allem, ein echtes TUSA
–Jacket, innovativ und hochwertig.
|