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Mit dem Galileo Sol entwickelte UWATEC ein Instrument, das weit über das hinaus geht, was man langläufig als Tauchcomputer bezeichnete. Beim legendären AIR X begann man über die
Atemfrequenz bereits die körperliche Leistung des Tauchers in die Sättigungsberechnung einzubeziehen, jetzt wird mittels Sensor die Herzfrequenz direkt als Indikator herangezogen.
Eigentlich müsste der Neue bei UWATEC Leonardo heißen, denn er war als Erfinder genialer als Galileo und dessen Werke können sich auch heute längst nicht alle leisten.
Langsam nähern wir uns wieder den Dimensionen eines Hans Hass Decobrain, dem Urvater aller Tauchcomputer. Unübersehbar ist der Galileo allemal, ob im Einsatz am Handgelenk oder in
der Runde staunender Betrachter, die das gute Stück einmal aus der Nähe in Augenschein nehmen wollen. Für stolze 1299,- Euro bekommt man heute schon einen Hochleistungslaptop
mit allen Schikanen, oder einen Galileo Sol, der sich zumindest so intelligent bedienen lässt wie ein PC und den Anwender von daher kaum auf Irrwege in die Tiefen der Modi und
Funktionen schickt. Sollte man denn doch vom rechten Pfad abkommen, der digitale Kompass des Galileo weist den Weg – so einem die Kompassnavigation geläufig ist.
Wirklich neu ist die Integration eines Pulsmessers der Firma POLAR, den man sich mit einem elastischen Band gehalten auf die Haut des Oberkörpers kommen lässt. Über eine
Funkstrecke wird die Herzfrequenz zum Galileo – Rechner geschickt und dort als Referenz für die vom Taucher geleistete Arbeit und davon abgeleitet als Wert der
Stickstoffsättigung in die gesamte Tauchgangberechnung integriert. Wirklich neu ist die Möglichkeit Graustufen – Bilddateien über die PC-Schnittstelle zum Galileo zu
senden, so wären Tauchplatzgrafiken mit Kurzinfos auch unter Wasser abrufbar. Wirklich neu ist die individuelle Gestaltung des Displays, welche Anzeigen Ihnen primär wichtig
sind, können Sie selbst bestimmen. Wirklich neu ist die Möglichkeit die Anzeige im Display um 180° zu drehen, mit dem Ziel die drei Tasten des Tauchcomputers oben oder unten am
Gehäuse bedienen zu können. Diese Features halten wir für eine persönliche Geräteabstimmung als Innovation. Wirklich neu ist die Eingabemöglichkeit persönlicher
Informationen von bis zu 20 Zeilen, in denen - vor allem im Hinblick auf einen Notfall – medizinisch wichtige Fakten und Ansprechpartner nach einer Notlage hinterlegt
werden können. Wirklich neu ist die Update – Fähigkeit des Galileo, so dass man das Instrument softwareseitig stets auf dem neuesten Stand halten kann. Soweit man in
Europa, USA, Kanada, Japan oder Australien auf diese Möglichkeit zurückgreifen möchte, klappt das per Internet sicher ganz gut, aber ab Ägypten wird’s eng mit den IT -
Errungenschaften des 3. Jahrtausends... Im Wettbewerb nicht neu aber für UWATEC ein neues Feature ist der digitale Kompass, der über- und unter Wasser zu verwenden ist. Zur
Feinabstimmung örtlicher Abweichungen (Deklination), kann der Kompass einfach justiert werden. Auch die Speicherung eines Kompasskurs über- und unter Wasser ist kinderleicht
– der Kurs im Display bestens abzulesen. Doch der Galileo stellt nicht nur die Frage nach der Tiefe, auch die Höhe misst er korrekt und kann dazu justiert werden, was man
hinsichtlich der wechselnden Druckluftverhältnisse bei Bedarf täglich durchführen sollte. Die Flaschendruckdaten per (mitgeliefertem) Sender auf den Bildschirm angezeigt zu
bekommen, ist in dieser Preisklasse wohl selbstredend „State of the Art“. Bis zu 4 Sender kann der Galileo managen, wobei man etwa drei Sender für Flaschen im eigenen
Einsatz (unterschiedliche Sauerstoffgemische) verwenden kann, ein Empfangsplatz könnte für die Flaschendruckdaten eines entsprechend ausgerüsteten Buddy frei bleiben. Für
Tekkies interessant ist die Dekoberechnung bei Gaswechseln (vorausplanender Multi-Gas Algorithmus: Der ZH-L8 ADT MB). Die dafür notwendigen Vorgaben können im Galileo individuell
programmiert werden, sobald der Gaswechsel im Verlauf des Tauchgangs erfolgt und der Tauchcomputer entsprechend bedient wird, berechnet der Galileo auch so komplexe
Rahmenbedingungen wie kein anderer. In allen Modi kann man zudem eine Stoppuhrfunktion aufrufen, die bei schwierigen Tauchgängen jenseits des puren Hobbyerlebnis durchaus Sinn
macht. Wem das alles zu viel ist, der kann den Galileo nur als reinen Tiefenmesser mit Tauchzeitanzeige verwenden, Apnoetaucher oder Tech – Hardliner dürften das
schätzen, nutzen dabei aber nur einen Bruchteil dessen, was der üppig programmierte Galileo so aus dem Gewand zaubern kann. Oft schon verglichen wir das Fliegen und Tauchen
als direkt miteinander vergleichbar. Schauen wir auf die Vielzahl von Informationen, die der Bildschirm des Galileo generiert, so ist dies nur ein Beweis für unseren Vergleich.
Auch sprachlich muss man sich ein Stück weiterbilden, vor allem ist das Studium von Abkürzungen englischer Begriffe ein absolutes Muss, um zu verstehen, was alles berechnet wird,
einstellbar, darstellbar und abrufbar ist. Textmenüs werden zwar auf Deutsch (oder anderen Sprachen, je nach Bedarf online Download und Übertragung via PC auf den Galileo)
angezeigt, doch was beispielweise TAT, ppO2max, BPM oder IrDA für außerirdische Kürzel sind, muss erst anhand des 82 Seiten starken Anleitungsbuches verinnerlicht werden. Klar
kann man den Galileo auch einfach nur ans Handgelenk schnallen und ins Wasser springen, er aktiviert sich selbst und zeigt dann Daten, die im Grunde zweifelsfrei interpretierbar
sind und einen Tauchgang sicher zu absolvieren erlauben. Doch für eine so spartanische Anwendung ist dieser Tauchcomputer nicht erdacht worden und er freut sich über jeden User,
der das an Leistung aus ihm herauskitzelt, was ihm auf den taucherischen Weg gegeben worden war. Ob das eine generell hochpreisig einkaufende Zielgruppe denn tatsächlich auch tut,
oder ob er denn vielfach ein Statutssymbol wie ein Ferrari für Fahrten zum Briefkasten bleiben wird, wer weiß, das wollen wir auch gar nicht näher beleuchten. Ein paar
Eigenschaften weniger, nicht die volle Hütte an Funktionen, dafür ein Preis für ein größeres Klientel von Durchschnittsverdienern, das könnte eine kommende Generation eines
„Galileo – light“ beschreiben, denn optimale Sicherheit und gesundheitliche Vorsorge sollte keine so hohen Eintrittspreis haben. Der im Herbst 07 vorgestellte Galileo
Terra öffnet ab € 699,- den Einstieg in die erschwinglichere Kategorie der neuen UWATEC Gerätelinie. Mittels Online – Updates und dem zusätzlichen Erwerb des
Pulsmessers könnte man den Terra im von uns angestrebten Investitionsbereich sehen. Dass man mit den Updatemöglichkeiten bereits ernst gemacht hat bei Scubapro / UWATEC, lässt
sich mit dem im Herbst 07 veröffentlichten ersten Update für PDIS (Profile Dependent Intermediate Stops – Tauchprofilabhängige Tiefenstopps) bereits beweisen. Die Tauchwelt
jedoch auch hier wieder mit anglizistischen Kürzeln einer cineastischen Ufosprache zu überziehen, obwohl das Stammhaus von UWATEC in der Schweiz steht, wir verstehen das nicht
– wie viele andere ebenso... Zumindest schaffte Scubapro / UWATEC zum Zeitpunkt der Auslieferung ihres taucherischen Morgensterns eine gut gegliederte und verständliche
Anleitung in deutscher Sprache dem Anwender mit auf den Weg zu geben, eine Leistung, die durchaus nicht selbstverständlich ist und deshalb auch erwähnt werden muss. Online kann
man sich das Werk als PDF herunterladen, und wenn es auch nur darum geht, sich alle Feinheiten des Computers vor dem Kaufentscheid selbst vor Augen zu führen – siehe www.unterwasserwelt.de/PDF/galileo.pdf Dass man Nitrox in allen Mischungsverhältnissen und in
unterschiedlich vorzugebenden maximalen Sauerstoff – Partialdrücken berechnen lassen kann, erwähnen wir der Vollständigkeit halber, für Tekkies bietet der Galileo da noch
wesentlich weiter gehende Funktionen und Rechenmodelle.
Praxis
Wir setzen voraus, dass man sich vor dem ersten Einsatz des Galileo ein paar Stunden Zeit
genommen hat, um das Aussehen des Displays an persönliche Vorlieben anzupassen, die Anleitung in Ruhe zu studieren und den Sender für die Druckdaten der Flasche an den Computer
abzugleichen. Der Pulssender muss nicht extra mit dem Galileo „gepaart“ werden, allerdings sollte am Tauchplatz während des Anlegens des Pulsmessers und der Aktivierung des
Computers kein weiterer User eines Galileo mit Pulsmesser näher als zwei Meter sein Equipment aktivieren, denn das könnte zu fehlerhaften Pulsdaten führen. Lesen Sie dazu genau in
der Anleitung nach. Sicher ist es ein neues Gefühl, den Pulssensor vor den Tauchgängen anzulegen und vielleicht fühlt man sich dabei zu Anfang etwas gehemmt – nur Mut, es
outet Sie als Anwender hochwertigster Tauchtechnologie und nicht als schrägen Freak, der unter Wasser für den Marathonlauf trainieren will. Man kann auch auf den Einsatz des
Pulssensors verzichten, je nach persönlicher Einstellung des Galileo werden dann die zusätzlich die Stickstoffsättigung betreffenden Daten vom Atemverhalten abgeleitet oder
schließt man das per Eingabe am Computer auch aus, rechnet der Galileo wie ein „normaler“ Tauchcomputer. Dabei können aber noch diverse Sicherheitslevel für Mikrobläschen
vermeidende Tiefenstopps vorgegeben werden. Die Anzeigequalität ist einwandfrei und in der Größe auch noch anpassungsfähig, hier gibt es keinerlei Punktabzüge. Frei wählbare
Alarme, die deutlich optisch und / oder akustisch auf persönlich festgelegte Grenzwerte hinweisen lassen keine Wünsche offen. Die Ablesbarkeit während des Tauchgangs kann man
als beispielhaft bezeichnen, Balkendiagramme unterstreichen die rasche Wahrnehmbarkeit wichtigster Statusmeldungen. Für Könner in Fragen der Orientierung ist der integrierte
Digitalkompass ein wirkliches Highlight. Ohne Zweifel ist dank der durchdachten Bedienung die Rückschau ins Logbuch auf kurzem Weg machbar, die dabei zur Verfügung stehenden 5
Datenebenen inkl. grafischer Anzeigen machen Spaß, das persönlich erlebte Tauchabenteuer noch einmal in aussagekräftigen Daten vorgelegt zu bekommen. Das ehemals leidige
Thema Batteriewechsel ist auch vom Tisch, der Galileo wie auch der Sender lassen den User persönlich neue Powerpäckchen einsetzen – alles handelsübliche Produkte. Nur der
Pulssensor muss beim Fachhandel für den Batterieaustausch abgegeben werden. Ach ja, an sich ist der Pulssensor auf die Aktivierung über Feuchtigkeit ausgelegt, bei Verwendung
von Trockentauchanzügen muss deshalb an in der Anleitung beschriebener Stelle der Sensor etwas befeuchtet werden. Robust wirkt das Kunststoffgehäuse des Galileo, optisch
ansprechend dazu der matt gebürstete Metallrahmen. Stabil und auch lang genug für das Anbringen über Trockentauchanzügen ist das Armband, das mit doppelter Rastung das gute Stück
sichert.
Fazit
Ja, der Galileo Sol ist ein Highend - Meilenstein in der Geschichte der Tauchcomputer. Ja, es gibt bislang kein anderes Computermodell,
das so viele Eigenschaften in sich vereint und dazu die Pulsfrequenz zur Sättigungsberechnung hinzuzieht. Nein, es ist vom Preis her gesehen kein Modell für jedermann. Für viele
bleibt der Galileo ein Traum, der Ferrari in der Tauchtasche und von denen, die ihn schon erstanden haben, werden nur wenige bereits dessen extreme Möglichkeiten ausprobiert
haben. Trotzdem - schön, dass es ihn gibt.
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