|
Tauchgänge an der Costa Calida sind stets Highlights im Mittelmeer. Nicht nur wegen der sicheren Sichtung von Großfisch bei den Islas Hormigas sondern auch wegen der
Möglichkeit interessante Wracks zu betauchen. Manchmal muss man mit eingeschränkten Sichtverhältnissen, und da hier die Straße von Gibraltar im weitesten Sinne
ausläuft, auch mit Strömungen rechnen. An einem noch warmen Augusttag hatte ich die Gelegenheit, der Turia einen Besuch abzustatten, die bereits ein Jahr auf Grund
liegt. Besonders neugierig und auch gespannt war ich, wie die Fischwelt in den letzten Monaten dieses Wrack als neue Heimat angenommen und sich an dem künstlichen Riff
angesiedelt hat.
Ein zweiter Tauchgang mit dem Tauchcenter Deep Impact sollte zur La Gomera gehen, einem gesunkenen Orangenfrachter, der bei spanischen
Sporttauchern auch den Spitznamen „Orang‘chen“ trägt.
Die Turia liegt mit dem Kiel in einer Tiefe von 32 m. Nachdem ein Jahr vergangen ist, war von
der ehemals weißen Farbe des Minenlegers kaum noch was zu entdecken. Die Flora, in Form von Kleinstalgen, hatte Besitz von ihr ergriffen. In Nischen wuchsen
verflochtene Röhrenwürmer und auf den Schiffsplanken lagen fast regungslos Meerbarben. Das Wrack war von riesigen Sardinenschwärmen umgeben, andere Fischarten zeigten
sich nicht. Aus meeresbiologischer Sicht war ich sehr enttäuscht. Keine Schwämme, keine einzige Muräne oder Conger oder gar ein Zackie hatten sich blicken lassen.
Überraschend war für mich, dass das Wrack seit meinem letzten Besuch Schlagseite bekommen hatte und an einer Seite des Schiffsrumpfes recht große Löcher klafften.
Wir Taucher hatten sofort den Verdacht, dass Kampfschwimmer von der nahegelegenen Ausbildungsstätte der spanischen Marine an der Turia offenbar Sprengstoffübungen
abgehalten hatten. Wenn dem so war ist auch das Fehlen weiterer Fischarten erklärlich. Diese Sprengungen haben vergleichbare Auswirkungen wie Dynamitfischerei!
Mit einer noch zu ertragenden Dekozeit von 4 Minuten stiegen wir am Sicherungsseil wieder auf. Obwohl ich wegen der nicht gerade üppigen Fauna enttäuscht war, war es
doch ein äußerst interessanter Tauchgang.
Nach einer großzügigen Oberflächenpause stand der nächste Tauchgang an. Aus organisatorischen Gründen mussten wir
gegen die oberste Tauchregel verstoßen, nämlich zuerst den tieferen Tauchgang durchzuführen. Auf die La Gomera war ich besonders gespannt, weil es meine erste
Begegnung mit diesem Wrack war.
Die La Gomera liegt etwa 2 km vor der Hafeneinfahrt von Cabo de Palos. Mittelhohe Wellen türmten sich vor dem Schlauchboot auf
und trotz guter elektronischer Ausstattung (GPS), mussten wir doch einige Minuten nach dem Liegeplatz des Wracks suchen, bevor der Anker geworfen werden konnte.
Wegen des Wellenganges beeilten wir uns ins Wasser zu kommen. Rasch tauchten wir geführt vom Ankerseil hinunter und landeten bei 42 m im Sand, doch nicht direkt am
Wrack. Durch Wellengang und Wind waren wir in kürzester Zeit etwas vom Wrack abgetrieben worden und der Basisleiter Volker befestigte zusätzlich noch ein
Sicherheitsseil am Anker, damit der direkte Weg zum Schlauchboot gewährleistet war.
In der Tiefe hatten wir erfreulicherweise eine gute Sicht und Strömung war
nicht vorhanden. In kürzester Zeit tauchte der dunkle Schatten der La Gomera vor uns auf. Nachdem das andere Ende des Sicherheitsseils befestigt war, konnte der
Tauchgang beginnen und ich konzentrierte mich sofort auf Flora und Fauna am Wrack.
Um es vorwegzunehmen, für Mittelmeerverhältnisse war dies ein Wracktauchgang
der Superlative. Die Tauchtiefe betrug zwischen 35 und 42 m und man ist gut beraten, den Tauchcomputer stets im Auge zu behalten, denn bei diesen Tiefen bauen sich
schnell deftige Dekozeiten auf.
Der Schwammbewuchs am Wrack war mäßig und die Algen hatten auch keine beachtliche Größe, aber die Fauna war doch beeindruckend.
Schon an Deck begrüßte mich ein Sägebarsch und aus einem Loch lugte eine Muräne hervor. Das Mittelschiff war mit Sand gefüllt und hier wuchs eine kapitale Steckmuschel
in tiefster Dunkelheit.
Riesige Schwärme von Sardinen und Ährenfischen umkreisten die La Gomera, zahlreiche Fahnenbarsche bildeten interessante farbige Flecken
im Scheinwerferlicht. Im Vorderteil und Führerstand des Wracks standen große Schwärme von Zweibindenbrassen zwischen denen sich Spitzbrassen tummelten. Majestätisch
glitten Zackenbarsche unterschiedlicher Größen durch das Schiffsinnere. Sie wirkten erstaunlicherweise recht zahm und zogen sich bei meiner Annäherung nur langsam
zurück. Wie immer, neigte sich der Luftvorrat zu schnell dem Ende zu, denn noch viele versteckte Winkel im Schiffsinneren wären zu erkunden gewesen. Dank des
Sicherheitsseiles erreichten wir bequem und schnell das Ankerseil und noch während des Sicherheitsstopps beschloss ich, eines Tages einen weiteren Tauchgang an der La
Gomera zu unternehmen
zurück
|